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Die Traumfabrik hört seine Musik Von , 20.09.2017

Von Fulda in die Ferne: Reinhold Heil komponiert in Hollywood Soundtracks

Reinhold Heil © Michael RoudVon Schlüchtern nach Hollywood – der Schritt erscheint sehr groß. Das ist er auch, doch Reinhold Heil hat einen langen Zwischenstopp in Berlin eingelegt. Der Musiker, Komponist und Produzent verbrachte als Mitglied der Nina Hagen Band und von Spliff viele Jahre in der Metropole, bevor Ende der Neunziger der Umzug in die USA erfolgte. Dort ist der 63-Jährige in große Film- und TV-Produktionen involviert.

Los ging es für Reinhold Heil in Sachen Musik im Platten- und HiFi-Laden seines Vaters in Schlüchtern. „Ich habe damals im Laden geholfen und die Plattenabteilung `geschmissen`. So bin ich schon früh mit unterschiedlichen Musikrichtungen in Kontakt gekommen“, berichtet Heil. „Bis zum Abitur habe ich im Geschäft meines Vaters geholfen, dann bin ich nach Berlin und wollte Musik studieren. Letztlich habe ich ein Doppelstudium an der `Hochschule der Künste` und der `Technischen Universität` absolviert. Am Ende stand der Abschluss Diplom-Tonmeister.“

Reinhold Heil © Michael Roud

Reinhold Heil lebt und arbeitet in Los Angeles. Foto: Michael Roud

Während dieser Zeit lernte er Nina Hagen kennen und wurde Keyboarder in der Nina Hagen Band, die später – ohne Nina – als Spliff eine der Größen der Neuen Deutschen Welle wurde. Hits der Band wie „Carbonara“ (1982) und „Das Blech“ (1982) stammen aus Heils Feder und landeten jeweils auf Platz fünf der deutschen Single-Charts. Heil produzierte in den Achtzigern viele namhafte deutsche Künstler. So zeichnete er für die ersten drei Alben von Nena verantwortlich und produzierte 1996 einige Songs mit Österreichs damaligem Superstar Falco.

Im Januar 1997 folgte dann der Schritt in die USA, wo Heil zunächst in Santa Barbara, Kalifornien, lebte und später nach Downtown Los Angeles zog. „Inzwischen habe ich ein Haus in Woodland Hills gekauft. Das ist an der nordwestlichen Peripherie, am Nordende des Topanga Canyon“, verrät der gebürtige Schlüchterner. „Hier gibt es eine sehr nette Community von Komponisten und Musikern. Und das Leben ist ruhiger und bequemer. Außerdem habe ich endlich Solar und ein Elektroauto, schon um Donald Trump und den Klimaidioten entgegenzuwirken.“

Über seinen Freund Johnny Klimek bekam Heil Kontakt zum deutschen Regisseur Tom Tykwer, für dessen Filme er zusammen mit Klimek sieben Soundtracks schrieb. Die bekanntesten sind „Cloud Atlas“ mit Tom Hanks und Halle Berry, „Lola rennt“ mit Franka Potente und „Das Parfum“ mit Dustin Hoffman. Für „Cloud Atlas“ wurden Heil, Klimek und Tykwer in 2013 für den Golden Globe nominiert. Es folgte die Musik für mehrere US-Serien und die RTL-Produktion „Deutschland 83“. Für diese erhielt Reinhold Heil 2016 den prestigeträchtigen Grimme-Preis für Komposition und Musikarrangement.
„Deutschland 83“ wurde mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet, war weltweit in vielen Ländern erfolgreich, nur im Produktionsland Deutschland nicht. „Nachdem RTL nicht verlängern wollte, aber alle ausländischen Partner unbedingt `Deutschland 86´und `Deutschland 89´ wollen, hat man nun eine Lösung mit Amazon gefunden“, berichtet der Komponist. „Es wird gerade gedreht und meine Arbeit beginnt etwa im Dezember. Ein paar Vorarbeiten habe ich bereits erledigt.“

Aktuell arbeitet Reinhold Heil an der Musik zur zweiten Staffel der Serie „Berlin Station“, deren erste Staffel in Deutschland inzwischen auf Netflix zu sehen ist. Zusätzlich schreibt er ein paar Musiknummern für die dritte Staffel der Serie „Mr. Robot“ (Amazon Video, RTL Crime). „Da bin ich nicht der Hauptkomponist, aber das macht mich glücklich, weil es eine meiner Lieblingsserien ist und ich meine Neigung zur elektronischen Musik voll ausleben kann“, bekennt Heil.
Unschwer zu erkennen, dass der Schwerpunkt von Reinhold Heils Arbeit weiterhin auf der Musik für TV-Serien liegt. „Das geschieht nicht absichtlich“, so der Komponist. „Ich liebe es, an Filmen zu arbeiten, aber es hat sich im Moment so ergeben. Schließlich finden fast alle spannenden Projekte derzeit im TV statt.“

Reinhold Heils Terminkalender ist also gut gefüllt. Da bleibt kaum Zeit für Kontakte in die ganz alte Heimat. In Osthessen hat der ehemalige Spliff-Keyboarder lediglich zu seiner Familie Kontakt. Der letzte Besuch ist aber noch gar nicht so lange her. „An Pfingsten war ich für drei Tage da, um meine Familie zu besuchen“, berichtet er.

Reinhold Heil © Michael Roud

Aus dem beschaulichen Schlüchtern über Berlin in die Traumfabrik nach Hollywood: Reinhold Heil hat den Sprung über den großen Teich schon vor 20 Jahren vollzogen. Foto: Michael Roud

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