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„Helix“ ist Heils nächster Treffer in Hollywood Von , 10.04.2014

Interview * Reinhold Heil: Deutscher komponiert Musik für US-Serienhit

Reinhold Heil ist auch in den USA immer öfter an Erfolgsprojekten beteiligt. Der gebürtige Schlüchterner wohnt inzwischen in Los Angeles und hat sich dort auf das Schreiben von Filmmusik spezialisiert. Nach den Kompositionen für „Cloud Atlas“ mit Tom Hanks und Halle Berry sowie für den im Januar in den deutschen Kinos angelaufenen Film „I, Frankenstein“, hat der 59-Jährige mit der Musik für den US-Serienhit „Helix“ den nächsten Treffer gelandet. Vor dem Serienstart in Deutschland stand Reinhold Heil für ein exklusives Interview zur Verfügung.

TOWIU: Wie kam es, dass Sie als Komponist für „Helix“ ausgesucht wurden?
Reinhold Heil: Mein Agent bat mich, ein Demoreel (Zusammenstellung von Arbeitsproben, d. Red.) zusammenzustellen und erzählte mir nur vage, worum es sich bei der Geschichte handelt. Da ich liebend gerne Science Fiction mache und diese spezielle Story attraktiv fand, gab ich mir große Mühe mit dem Demoreel. Das brachte mir den Job, ohne Interview. Ich habe zugesagt, war aber gespannt, was die Macher der Serie für Typen sein würden. Wie sich dann herausstellte, hätte ich es nicht besser treffen können. Der Showrunner, der die letzten Entscheidungen trifft, heißt Steve Maeda. Er hat sich seine Sporen bei den Serien „Akte X“ und bei „Lost“ verdient und weiß immer, was er will. Er ist extrem angenehm im Umgang mit seinen zuarbeitenden Helfern. Alle machen hier erstklassige Arbeit, obwohl das Budget von Sony Pictures Television einer typischen ersten Staffel einer kleinen Kabel-Show entspricht. Es ist also nicht sehr viel Geld vorhanden. Ich mache also fast alles ohne angeheuerte Musiker. Sehr elektronisch und cool.

„Helix“ startet heute in Deutschland beim Bezahlsender „Syfy“. Foto: Sony Pictures Television Inc./Syfy

TOWIU: Schreiben Sie die Musik für „Helix“ alleine oder ist es eine Kooperation (wie bei Ihren vorherigen Projekten mit Johnny Klimek)?
Reinhold Heil: Johnny Klimek und ich haben uns bereits vor fast drei Jahren getrennt und sind jetzt beide froh, endlich unabhängig arbeiten zu können. Wir mögen uns immer noch, aber 15 Jahre sind eine lange Zeit des Kompromisses. Und nach der Trennung mussten wir noch lockere zwei Jahre lang anstehende Jobs zusammen absolvieren. Jetzt ist die Trennung endlich Realität und wir haben beide mehr Spaß und mehr Erfolg. Alleine ist gut.

TOWIU: Was kennzeichnet Ihre Musik für diese Serie?
Reinhold Heil: Die Musik hat natürlich mehrere Ebenen zu bedienen. Es gibt eine Menge zwischenmenschlicher Komplikationen und Emotionen, aber es gibt natürlich auch Action und es gibt Geheimnisse und die Forschungsstation “Arctic Biosystems” und einen grausamen Virus, der dort ausgebrochen ist. Neben konventionellen, fast Popmusik-angehauchten Stücken gibt es eine Menge Freiraum zum Experimentieren. Eines meiner Hobbies sind ungewöhnliche elektronische Klänge, die ich selbst mit einem musikalischen Grafikprogramm namens “Metasynth” herstelle. Meistens mögen die Filmemacher, für die ich arbeite, diese Sounds nicht, weil sie zu extrem sind. Aber hier passt’s endlich. Das macht eine Menge Spaß.
Auf der entgegengesetzten Seite des Spektrums liegt die Titelmelodie. Der Executive Producer Ron Moore, der Macher von „Battlestar Galactica“, schüttelte in der Anfangsphase ein wenig den kreativen Baum und heraus kam eine weitere Musikebene, die zum größten Teil nicht von mir bedient wird: Easy-Listening-Musik, zum Teil Klassiker, zum Teil einfach Fahrstuhlmusik, die meist den eher grausamen Szenen entgegengesetzt wird. Im Geiste dieser Easy-Listening-Musik habe ich meine Titelmusik und das artverwandte Stück für das Ende jeder Folge geschrieben. Das war dann mein Beitrag zum “Easy-Listening”.

Reinhold Heil freut sich auf die zweite Staffel von „Helix“. Foto: Michael Roud

TOWIU: Wie muss man sich die Arbeit an der Musik zu einer TV-Serie vorstellen? Werden für jede Folge neue Elemente komponiert oder gibt es ein musikalisches Thema, das unterschiedlich interpretiert in vielen Folgen eingesetzt wird?
Reinhold Heil: Beides. Es wäre kaum zu schaffen, jede Woche 35-40 Minuten Musik komplett neu zu schreiben. Aber es wäre auch dumm, denn die Musik hilft dem Zuschauer gerade durch die konsequente Anwendung von Themen, den Handlungssträngen zu folgen. Charaktere, Orte und Situationen werden durch die Musik mit definiert. Aber Musikstücke werden nie einfach wiederholt, sondern immer der jeweiligen Situation angepasst. Es ist also immer noch ein heftiges Stück Arbeit.

TOWIU: „Helix“ war so erfolgreich, dass eine zweite Staffel produziert wird. Was bedeutet das für Sie?
Reinhold Heil: Mehr Spaß im Herbst und Winter 2014/15. Und dass ich meine Rechnungen bezahlen kann. Die zweite Staffel wird nicht mehr am Polarkreis stattfinden, also gibt’s wahrscheinlich eine ziemlich andere Atmosphäre. Ich werde wohl Themen weiter verwenden können, aber vielleicht muss sich der Sound etwas ändern.

TOWIU: Welches sind Ihre nächsten Projekte?
Reinhold Heil: Ich beginne gerade mit einer weiteren Serie, diesmal geht’s um einen Spezialagenten des FBI (gespielt von Sean Bean), der mit seinem ausgeprägten Talent für Schauspielerei terroristische und kriminelle Organisationen infiltriert und zur Strecke bringt. Dabei fragt er sich irgendwann, ob er wirklich er selbst ist. Das ist dann der rote Faden der ganzen Serie. Das wird musikalisch ziemlich anders werden.
Und danach geht’s wahrscheinlich schon wieder zurück zu „Helix“. Ob sich da noch ein Film unterbringen lässt, bleibt abzuwarten. Da ich fast alle Funktionen der Musikabteilung bei meinen Projekten selbst ausübe, ist meine persönliche Arbeitsleistung natürlich immer ziemlich heftig. Vielleicht sollte ich mich mehr der Methode meines Kollegen Hans Zimmer annähern. Da ist es immer ein großes Team. Aber im Moment habe ich großen Spaß an der Arbeit. Ich habe letzten Sommer einen Low-Budget-Horrorfilm namens „Haunt“ mit Musik versehen. Dazu wird demnächst ein Soundtrack-Album auf dem renommierten Label „Varese Sarabande“ herauskommen. An einem Album für „Helix“ arbeite ich noch.

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Reinhold Heil
Heil verbrachte seine Kindheit und Jugend in Schlüchtern (Hessen) und ging nach dem Abitur nach Berlin. Dort absolvierte er ein Doppelstudium an der „Hochschule der Künste“ und der „Technischen Universität. Am Ende stand der Abschluss Diplom-Tonmeister.
In den achtziger Jahren war Heil Keyboarder in der Nina Hagen Band und danach bei Spliff. Dort trat er auch als Komponist, Texter und Sänger von Hits wie „Carbonara“ und „Das Blech“ in Erscheinung, die sich beide auf Platz fünf der deutschen Single-Charts platzierten.
Parallel produzierte er renommierte Künstler und war verantwortlich für die Produktion der ersten drei Alben von Nena sowie für einige Songs von Falco. Während seiner Karriere arbeitete er außerdem mit Thomas D, Annette Humpe, Ulla Meinecke, Franka Potente, Rainbirds, Rio Reiser, Stefan Remmler, Marianne Rosenberg, Stefan Waggershausen und Kim Wilde.
Zusammen mit Regisseur Tom Tykwer und Johnny Klimek ist er für die Musik zu sieben Filmen Tykwers verantwortlich, unter anderem für „Lola rennt“ und „Das Parfum“. Im vergangenen Jahr wurde er für die Filmmusik zu „Cloud Atlas“ erstmals für einen Golden Globe nominiert.
Seit 1997 lebt und arbeitet Reinhold Heil als Filmkomponist in Kalifornien.

Interview mit Reinhold Heil vom 05.02.2013:
http://www.towiu.com/2013/02/05/schluchtern-berlin-hollywood/

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„Helix“
Die Thriller-Serie mit 13 Episoden läuft ab dem 10. April 2014 immer donnerstags auf dem Bezahlsender Syfy, der u.a. über Sky, Kabel Deutschland, Unitymedia oder Kabel BW zu empfangen ist.  In den USA wurde die erste Staffel bereits gesendet und ist bei den Zuschauern so gut angekommen, dass bereits die zweite Staffel in Vorbereitung ist. Als Sendetermin für die nächsten 13 Folgen hat man in den USA den Winter 2015 vorgesehen.
Ronald D. Moore, Produzent und Entwickler der sehr erfolgreichen TV-Serie „Battlestar Galactica“ sowie die Macher von „Lost“ und „Akte X“ stecken hinter „Helix“. Die Serie wurde in den USA ebenfalls vom Sender Syfy ausgestrahlt, der dort von 98 Millionen Haushalten empfangen wird.
„Helix“ ist eine spannende Thriller-Serie, in deren Focus ein Team von Wissenschaftlern des amerikanischen Zentrums für Seuchenbekämpfung steht, das zu einer Hightech-Forschungseinrichtung reist, um den potenziellen Ausbruch einer Seuche zu untersuchen. Dem Team steht ein Kampf um Leben oder Tod bevor, der den Schlüssel zur Rettung oder völligen Ausrottung der Menschheit beinhaltet. Diese tödliche Bedrohung ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs, denn während sich der Virus ausbreitet, kommt eine weitere, furchtbare Wahrheit ans Tageslicht.

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