Rock'n'Roll
Die Skorpione stechen noch Von Joachim Herbert, 13.05.2010Edguy auf Tour mit den Scorpions / Zwischenstopp in Frankfurt
Blitze zucken grell, Gitarren dröhnen und 10.000 Zuschauer sind begeistert. Innenraum und Ränge in der Frankfurter Festhalle sind gut gefüllt während die Metalmusiker von Edguy die Bühne rocken. Zugegeben, nicht alle Fans waren wegen der Fuldaer Band da, die meisten kamen dann doch wegen der Scorpions. Die sind nämlich auf Abschiedstour und haben für ihre Konzerte in Deutschland Edguy als Vorgruppe verpflichtet.
„Bislang sind elf Termine mit den Scorpions bestätigt“, verrät Edguy-Gitarrist Dirk Sauer. Acht davon finden bis zum Sommer statt, drei weitere im November, da die Scorpions aufgrund toller Ticketverkäufe noch Zusatzkonzerte spielen werden. „Und mal sehen, was noch so passiert, vielleicht spielen wir noch mehr Konzerte mit ihnen“, hofft Sauer.
Für ihn uns seine Edguy-Kumpels ist es jedenfalls eine tolle Sache, mit den deutschen Rock-Veteranen auf deren Abschiedstour unterwegs zu sein. Edguy sind in der Metalszene selbst eine große Nummer, dem durchschnittlich aber etwas älteren Scorpions-Publikum sind die Fuldaer jedoch nicht durchweg bekannt.
„Der Ablauf der Tour ist bisher sehr entspannt“, erzählt Dirk. „Wir fahren nach dem Konzert in Frankfurt erstmal für einen Tag nach Hause.“ Danach geht es nach Stuttgart und Ende Mai stehen Termine in Berlin, Zwickau und Hannover an.
Weniger entspannt ging es auf der Bühne zu, denn da gaben die Edguys wie immer alles. Ihre besten und eingängigsten Mitgröl-Rocksongs hatten sie zusammengestellt und auch eine Ballade („Save Me“) eingebaut. Beim Publikum kam das gut an und auch Edguy-Gitarrist Jens Ludwig fand die Show klasse: „Wir hatten auf der Bühne sehr viel Spaß und ich glaube, die Stimmung in der Halle war auch gut.“
Das war sie – und sie wurde noch besser, als die Scorpions die Bühne betraten. Und auch die gaben alles. Songs vom aktuellen Album „Sting In The Tail“ und alte Klassiker, Balladen und Rockbretter, alles garniert mit einer tollen Lightshow und drei Leinwänden oberhalb der Bühne. Dort gab es neben Bildern von der Show alte Konzertmitschnitte und Filmmaterial zu sehen. Cool gemacht und die Fans bekamen noch einmal präsentiert, wie die Scorpions schon in den Achtziger Jahren die Massen in den USA begeisterten.
Begeistert waren auch die Frankfurter und bei „Holiday“, „Send Me An Angel“ und „Big City Lights“ sang die komplette Halle mit. Nur einmal wurde es kuschelig, und zwar bei den Zugaben. Bei „Still Loving You“ rückten die Pärchen zusammen, bei „Wind Of Change“ kuschelten sie immer noch, um beim letzten Song des Abends, „Rock You Like A Hurricane“, wieder wachgerüttelt zu werden.
Dass die Scorpions immer noch Spaß am Spielen haben, war deutlich zu spüren und zu sehen. Sänger Klaus Meine stand mit dem Mikrofonständer über der Schulter auf der Bühne und schaute grinsend auf die Zuschauer und Gitarrist Rudolf Schenker schwang die Hüften und rockte wie in jungen Jahren. Ob er dabei viel vom Publikum gesehen hat ist fraglich, denn die Sonnenbrille hat er während des gesamten Konzerts nicht abgezogen. Auch mit über 61 Jahren gehört das noch zur Show.
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