Tischtennis
Düsseldorf & Ochsenhausen & Plüderhausen & Bremen Von TOWIU, 29.08.2009Tischtennis * DTTL: Vorstellung der Teams – Teil 4
Sechs DTTL-Mannschaften der Saison 2009/10 haben wir bereits ausführlich vorgestellt, heute nun sind die noch ausstehenden vier Bewerber um Siege, Punkte und Erfolge an der Reihe. Rekordmeister Borussia Düsseldorf will nach dem 23. nationalen Meistertitel der Vereinsgeschichte greifen, Rivale TTF Liebherr Ochsenhausen hat etwas dagegen. Der SV Plüderhausen würde zu gerne die von zwei Titeln gekrönte Traumsaison 2008/09 wiederholen, während der SV Werder Bremen einen weiteren Schritt auf dem Weg zur endgültigen Etablierung in Europas stärkster Liga anstrebt und auch perspektivisch Einiges erreichen möchte.
Borussia Düsseldorf - “Bayern” hungrig nach weiteren Titeln
Rekordmeister und Titelverteidiger Borusssia Düsseldorf wird unter den Ligakonkurrenten fast einhellig als Titelaspirant Nummer eins gehandelt - lediglich der größte Rivale der letzten Saison aus Ochsenhausen sieht sich selbst etwa gleichauf mit der Boll-Truppe.
Das Gerüst der neuen Borussia besteht aus den bewährten Kräften: Topkönner Timo Boll, der kürzlich seinen Vertrag bis 2012 verlängert hat, und sein Nationalmannschaftskollege und Lieblingsdoppelpartner Christian Süß werden die Stützen des erfolgsgewohnten Teams sein. Dass der Weltranglistenvierte eine vertraglich begrenzte Anzahl an Ligaspielen absolviert, ist nichts Neues - die Rheinländer verstehen es, damit umzugehen und die zur Verfügung stehenden Kräfte in jeder Saisonphase gezielt einzusetzen.
Für die Abgänge Dimitrij Ovtcharov (Charleroi) und Marcos Freitas (Jülich) rücken die aus Bremen gekommenen Seiya Kishikawa und Trinko Keen ins Team des FC Bayern des deutschen Tischtennissports. Zwar wird man künftig nicht mehr von “Borussia Deutschland” sprechen können, signifikant schwächer aufgestellt als in der zurückliegenden Saison scheint der Champions-League-Sieger jedoch nicht. Manche meinen allerdings, dass “Dimas” unbestreitbare Fähigkeit, in entscheidenden Spielen alles aus sich herauszuholen und “ansteckendes” Adrenalin in höchster Dosis zu produzieren, dem Düsseldorfer Erfolgsklub künftig fehlen könnte. Es gilt allerdings auch zu bedenken, dass Freitas ein „Seuchenjahr” durchlebte und die beiden Neuzugänge das Potenzial für eine ausgeglichene Ligabilanz aufweisen, Kishikawa vielleicht sogar mehr. Der 23. nationale Meistertitel ist alles andere als ein unrealistisches Ziel. Zudem sollte man auch in der Champions League wieder heißer Titelaspirant sein.
Manager Andreas Preuß sieht eine ungemein prickelnde Saison auf sich und seine Borussia zukommen: “Die Liga wird noch spannender, da ausgeglichener. Ochsenhausen, Frickenhausen, Fulda, Grenzau und vielleicht Saarbrücken sind die härtesten Konkurrenten. Möglicherweise werden wir in den Top-Spielen aufgrund des Weggangs von Ovtcharov ein wenig schwächer sein. Ich glaube trotzdem, dass wir in allen Wettbewerben eine gute Chance haben werden. Ich freue mich auf eine aufregende Saison.”
Trainer Dirk Wagner beschreibt die Saisonziele der Borussia wie folgt: “1. Kampf um alle drei Titel und Gewinn mindestens eines Titels; 2. Entwicklung und Unterstützung unserer Spieler bei der Vorbereitung auf die internationalen Höhepunkte wie EM in Stuttgart oder Mannschafts-WM in Moskau; 3. Präsentation von Spitzensport niveauvoll organisiert und verpackt.”
Die Stärken seiner Truppe skizziert der erfolgreiche Übungsleiter so: “Die individuelle Klasse unserer einzelnen Spieler ist unsere größte Stärke. Mit einem Boll in Normalform haben wir den Garanten für Titelkämpfe auf allen Ebenen, mit Süß und Kishikawa junge Leute, die den nächsten Schritt gemacht haben und Timo unterstützen können, mit Keen einen erfahrenen Mann, der im Ligaalltag jederzeit punkten kann. Zudem sind unsere Doppelkombinationen von außergewöhnlicher Qualität.” Wagner verschweigt aber auch die vielleicht einzige Schwachstelle nicht: “Der enge Terminplan mit zu vielen Veranstaltungen und damit die Gefahr des Konzentrationsverlustes im DTTL-Alltag ist ein Problem für uns.” Der sympathische, stets bescheidene Meistertrainer, der selbst gerne ein wenig im Hintergrund bleibt, fügt hinzu: “Ich denke, dass es in diesem Jahr keinen leichten Gegner gibt. Alle Teams sind stark und verlangen volle Konzentration.” Optimistisch stimmt den Coach: “Wir haben gut gearbeitet.” Dazu gehörte auch eine mehr oder weniger halsbrecherische Mountainbike-Einheit auf Düsseldorfs Höhen mit Spezialistin Natascha Binder vom Team Focus, die Wagner unlängst zusammen mit Christian Süß absolvierte. Die Düsseldorfer Profis sollen eben in allen Sätteln gerecht sein.
Auf eine Saisonprognose angesprochen, nennt der Borussen-Trainer Ross und Reiter: “Play-Off-Kandidaten sind Düsseldorf, Ochsenhausen, Frickenhausen, Saarbrücken, Bremen, Fulda, Grenzau und Plüderhausen, also acht von zehn Mannschaften. Eng wird es für Jülich und Hanau.” Wagner fügt hinzu: “Ich sehe das Leistungsniveau so dicht beieinander, dass es sehr eng zugehen wird und sich erst ganz am Schluss die Rangfolge herauskristallisieren dürfte.” In einem Punkt ist sich der 38-jährige Thüringer ganz sicher: “Meister wird die Mannschaft, die uns zweimal schlagen kann!”
Topstar Timo Boll spürt ein Kribbeln vor Saisonbeginn: “Ich habe über dreieinhalb Wochen Tischtennis-Pause gemacht. So lange, wie noch nie zuvor. So langsam wird es Zeit, dass die ersten Wettkämpfe beginnen. Immer nur zu trainieren ist auf Dauer langweilig. Daher sehne ich mich danach, wieder im Spiel an der Platte zu stehen. Und ich hoffe, dass ich in einer ordentlichen Form bin. Ich freue mich richtig auf den Saisonbeginn in der DTTL.”
Mit Spannung wird das Auftaktmatch am 29. August im Burg-Wächter Castello gegen Aufsteiger 1.FC Saarbrücken erwartet. Vor vermutlich mehr als 3.000 Zuschauern - die „Nachwuchs-Bolls” der andro Kids Open werden den ersten Saisonauftritt ihrer großen Idole live miterleben - dürfte die Partie gegen den stark besetzten Liganeuling einen ersten Fingerzeig geben, ob die Borussia in der neuen Saison ebenso dominant auftreten kann wie 2008/09.
TTF Liebherr Ochsenhausen - Titel, Typen, Faszination
Das Kürzel TTF im Vereinsnamen TTF Liebherr Ochsenhausen steht eigentlich für “Tischtennisfreunde”. Der ambitionierte Klub aus Oberschwaben übersetzt es in einer Promotion-Broschüre aber auch mit “Titel, Typen, Faszination”. Faszinierendes Tischtennis und gestandene Spielertypen bietet man den Fans fraglos, während der letzte Titelgewinn doch immerhin bereits fünf Jahre zurückliegt - 2004 verbuchte man zuletzt einen deutschen Meistertitel und setzte damals mit dem Gewinn des Ligapokals gleich noch einen drauf. Folglich wäre es an der Zeit, auch Teil eins des “Versprechens” einzulösen. Schwierig aber keineswegs unmöglich!
Der Verein setzt exakt auf die eingespielte Truppe der Saison 2008/09. Kontinuität ist also Trumpf beim “Vize”, der sowohl in der Meisterschaft als auch in der europäischen Königsklasse trotz spektakulärer Auftritte am Ende „zweiter Sieger” blieb. In der Aufstellung Chuang Chih-Yuan, Adrian Crisan, Pär Gerell und Tiago Apolonia dürfte das Team von Trainer Anders Johansson auch kommende Saison bei allen bedeutsamen Entscheidungen ein gewichtiges Wörtchen mitreden.
Ochsenhausen ist und bleibt einer der Topklubs der DTTL und hat noch Steigerungspotenzial. Ob man sich diesmal freilich dem potenziellen Ligaprimus aus Düsseldorf in durchaus wieder denkbaren Finalsituationen gewachsen zeigen wird, steht noch in den Sternen. Dabei geht man diesmal ohne ein ganz großes, eindeutig definiertes Ziel in das Rennen um Punkte und Erfolge. Dennoch sind das Erreichen der Play-Offs in der DTTL und das Viertelfinale in der Champions League fast Pflicht für den Deutschen Meister der Jahre 1997, 2000 und 2004.
Der Fokus war in der letzten Saison auf die europäische Königsklasse gerichtet - nicht allzu viel hat zum Triumph gefehlt. „Es war ein realistisches Ziel, die Champions League zu gewinnen, das ist in der kommenden Saison anders”, so TTF-Trainer Anders Johansson. Der erfolgreiche Tischtennislehrer aus Schweden begründet das plausibel: „Die anderen Mannschaften wie etwa Niederösterreich und Roskilde haben enorm aufgerüstet, es wird ungleich schwerer in der Champions League ins Finale zu kommen.” Auch Präsident Rainer Ihle will sein Team nicht mit unrealistischen Zielen unnötig unter Druck setzen, auch wenn er die eingespielte Truppe für stark genug hält, jeden Gegner in Europa zu schlagen. Ein Blick auf die Setzliste in der Champions League genüge aber, um die Erwartungen ein wenig zu dämpfen: „Wir sind in dieser Saison als Nummer sechs gesetzt, vor einem Jahr waren wir noch die Nummer drei.” Doch der ehrgeizige, visionäre Boss der Oberschwaben verzichtet keineswegs komplett auf Zielvorgaben: „Wir wollen uns über die Liga für die Champions League qualifizieren, müssen also mindestens Dritter werden. Zudem wollen wir im Pokal das Final Four erreichen.” Kristijan Pejinovic formuliert die Ambitionen des Vereins so: “Saisonziel ist auf alle Fälle die Play-Off-Teilnahme. Platz eins bis drei sollte ebenso unser Ziel sein wie das Halbfinale in der Champions League und das Pokalfinale.” Der Generalmanager untermauert dies wie folgt: “Unsere Stärke besteht darin, dass wir mit dem gleichen, eingespielten Team wie 2008/09 ins Rennen gehen, das weiteres Steigerungspotenzial hat. Unsere Schwäche, falls man das so nennen will: Wir haben eine große Anzahl Verfolger im Nacken. Aber das würde ich eigentlich nicht als Manko bezeichnen, sondern als Anreiz für unsere Mannschaft.” Anders Johansson verbindet die Saison mit einer konkreten Erwartung: „Die Spieler sollen sich in diesem Herbst noch weiter entwickeln und als Team funktionieren.” Zudem setzt der 45-jährige Trainer auf die Ausgeglichenheit innerhalb des Quartetts: „Wir sind schwer auszurechnen, weil keiner so genau weiß, in welcher Aufstellung wir antreten werden.”
Seine Truppe, die letzte Saison phasenweise brillierte, ist nach sechswöchigem gemeinsamem Training heiß auf den Saisonstart. Man möchte sich nach oben boxen und vor hohen Herausforderungen nicht kneifen - jedenfalls gehörten Boxeinheiten sowie das Abseilen aus schwindelnder Höhe im Kleinwalsertal zum Saisonvorbereitungsprogramm. Auch der Ärger mit Adrian Crisan scheint ausgestanden, der mit Übergewicht aus dem Urlaub zurückgekehrt und erst einmal zur Kasse gebeten worden war. Jedenfalls versichert der Rumäne: “Wir haben hart trainiert, sind gut vorbereitet und freuen uns auf die Saison. Ich will versuchen, an meine Leistungen zum Start der letzten Saison anzuknüpfen und der Mannschaft zu helfen.”
Manager Pejinovic tippt die Basics der Saison: “Meister wird Ochsenhausen oder Düsseldorf, Play-off-Kandidaten sind Düsseldorf, Ochsenhausen, Frickenhausen, Grenzau und Fulda. Eng wird es für Jülich und Hanau.”
Der Saisonauftakt am 29. August in Fulda - die eigentliche Saisoneröffnung der DTTL 2009/10, eine halbe Stunde vor dem Match Düsseldorf vs. Saarbrücken beginnend - hat es gleich in sich. TTF-Chef Rainer Ihle rechnet dennoch mit einem erfolgreichen Saisonstart: “Das wird zwar eine heiße Angelegenheit zum Auftakt, aber ich bin optimistisch, dass wir Fulda schlagen. Schließlich haben sie noch nie gegen uns gewonnen, was gerne so bleiben kann. Ich tippe auf ein 3:2 für uns.”
Die solide, perspektivisch ausgerichtete Arbeit der Oberschwaben mit ihrer bestens funktionierenden Trainingsgruppe könnte, ja sollte sich auszahlen. Als “Unterbau” hat man neuerdings auch noch das LZO - Leistungszentrum Ochsenhausen e.V. Dort sollen - unter Federführung von Rainer Ihle, Kristijan Pejinovic und Anders Johansson - internationale Talente mit großer Perspektive zu Topspielern geformt werden, die zunächst mit dem gleichnamigen Klub in der Regionalliga antreten werden. Mittelfristig soll es aber weiter nach oben gehen. Zudem soll das “Masters College” des LZO mit dem Motto “Play to win” zum internationalen Markenzeichen werden. Frischer Wind in der unmittelbaren Umgebung des Bundesligisten, der den TTF auf mittlere und längere Sicht nur zugute kommen kann.
SV Plüderhausen - Nach der Traumsaison die Play-Offs buchen
Um Haaresbreite gescheitert am Play-Off-Einzug war der Senkrechtstarter der Saison 2008/09 SV Plüderhausen, der nach sensationellen Leistungen ETTU-Pokal und Ligacup ins Remstal holen konnte und zu einer Art Kultklub des Jahres avancierte. Trotz des Abgangs von Leung Chu Yan, den es zu Aufsteiger Saarbrücken zog, und des Reservisten Zsolt Petö dürften die Schwaben erneut eine starke Truppe ins Rennen schicken, zumal mit Schwedens Ex-Weltmeister Jörgen Persson mehr als bloß ein Leung-Ersatz gefunden wurde.
Persson, trotz seiner 43 Jahre noch immer ein Ausnahmekönner, der Zuschauer anzieht, wird derzeit als Nummer 20 der Welt geführt. Der als Halbfinalist beste Europäer bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking ist nun schon zum dritten Mal ins Remstal gewechselt und will beweisen, dass er noch lange nicht zum alten Eisen zählt. Dass dies mitnichten der Fall ist, beweist auch seine Nominierung für den Erdteil-Vergleichskampf zwischen Europa und Asien, der vor einigen Tagen in China stattgefunden hat. Zudem wurde mit dem 19-jährigen Talent Paul Drinkhall vom Ligarivalen Jülich Großbritanniens Olympia-Hoffnungsträger für 2012 unter Vertrag genommen. Nach einem eher durchwachsenen Auftaktjahr in Gönnern erspielte der talentierte junge Brite in der letzten Saison bei den “Indeländern” immerhin bereits eine 6:8-Bilanz. 2009/10 könnte seine Saison werden.
Publikumsliebling “King Kara” mit dem leichten Bauchansatz, dem Faible für Coca Cola und der göttlichen Hand blieb den „Gelbhemden” ebenso treu wie der polnische Nationalspieler Jakub Kosowski. Sportkoordinator Ulrich Engele, freut sich, dass die beiden Leistungsträger ein weiteres Jahr Schwaben bleiben: “Aleksandar Karakasevic ist unsere absolute Konstante. ‘Kara’ startet nun schon im zehnten Jahr für ’seinen Club’, wie er immer sagt. Und Kosowski hat bei uns so hervorragend eingeschlagen, dass wir froh sind, ihn weiter bei uns zu haben.”
Zur Belohnung dürfen beide mit dem SVP diesmal sogar in der Königsklasse Europas antreten. Auch dank der vorzüglichen Weltranglistenplatzierung des neuen “alten Schweden” reichte es zum Einzug in die Beletage des europäischen Tischtennis, die diesmal besonders hochkarätig bestückt ist.
Der Sportkoordinator der Remstaler formuliert die Erwartungen beziehungsweise Hoffnungen des Managements: “Unser Saisonziel ist Platz vier. Ob dies zu erreichen ist, bleibt abzuwarten und ist auch davon abhängig, wie oft Jörgen Persson spielen wird. Unsere Stärken liegen, wie in der letzten Saison, darin, dass wir eine recht ausgeglichene Mannschaft haben, die für die Gegner schwer einzuschätzen ist. Schwächen verraten wir nicht.”
Engele gibt auch eine generelle Einschätzung der Liga ab: “Meisterschaftskandidaten sind an erster Stelle Düsseldorf und Ochsenhausen. Play-Off-Kandidaten sind außerdem wir, Frickenhausen, Saarbrücken und Fulda. Unten wird es sicherlich für Hanau und Jülich eng werden.”
Der Saisonauftakt am 30.08. beim SV Werder Bremen hat es in sich. Die Norddeutschen haben noch eine dicke Rechnung offen mit dem Team von Momcilo Bojic, zogen sie doch 2008/09 gleich dreimal knapp den kürzeren, unter anderem im Finale um den Ligacup vor 4.500 Zuschauern in Hannover.
Prognose: Plüderhausen ist national und international immer für einen Überraschungscoup gut und könnte 2009/10 die Hürde Play-Off-Einzug nehmen. In der Champions League wäre ein Viertelfinaleinzug bereits ein phänomenaler Erfolg. Dennoch muss man auf der Hut sein. Es wäre nicht das erste Mal im Profisport, dass ein Verein nach einer Traumsaison in ein unerklärliches Loch fiele - und ein solches könnte in der extrem ausgeglichenen DTTL zum Verhängnis werden. Sofern man sich nicht zu sicher fühlt, besteht aber nicht der geringste Anlass zu überzogenem Pessimismus. Der SVP-Kader braucht qualitativ den Ligavergleich jedenfalls nicht zu scheuen.
SV Werder Bremen - Unberechenbare “Nordlichter” vor richtungweisender Saison
Auch beim nördlichsten Bundesligisten, dem SV Werder Bremen, tut sich einiges. Nachdem Toptischtennis an der Weser erfolgreich etabliert werden konnte, wagt man sich nun an die nächste Ausbaustufe mit neuer Tischtennishalle und Runderneuerung des Kaders. Trinko Keen und Seiya Kishikawa wurden nach Düsseldorf abgegeben, fielen also auf der Karriereleiter nach oben. Auch den Rumänen Cioti ließ man ziehen. Dafür wurde um Dauerbrenner Lars Hielscher ein neues Team installiert, in dem Bundesligarückkehrer Jens Lundquist, der schon die Frickenhausener und Ochsenhausener Farben trug, eine wichtige Rolle spielen soll. Neben dem international erfahrenen, 30-jährigen Schweden wurde der Japaner Taku Takakiwa aus Jülich geholt, der großes Potenzial hat, aber bislang noch nicht die zum Topspieler erforderliche Konstanz zeigte. Ein noch eher unbeschriebenes Blatt ist der Rumäne Adrian Dodean – Trainer Cristian Tamas hält jedoch große Stücke auf den 24-jährigen Linkshänder. Hielscher und Lundquist sind im Normalfall fraglos DTTL-Spieler der gehobenen Kategorie, Takakiwa hat das Potenzial dazu, muss es aber erst noch auszuschöpfen lernen.
Anfang September erfolgt die Grundsteinlegung der neuen Werder-Halle, in der künftig auch Bundesligatischtennis in angemessenem Ambiente präsentiert werden soll. Überhaupt denkt man in Bremen zukunftsgerichtet und möchte künftig nicht nur “fertige” Topspieler anheuern: “Wir wollen die Strukturen dafür schaffen, Talente nach oben zu bringen”, so Coach Tamas.
Der Tischtennislehrer aus Rumänien hat ein eher gutes Gefühl vor der dritten Saison nach dem Wiederaufstieg. Die Vorbereitung verlief unproblematisch, Verletzungen blieben aus - gerade davon waren die Hansestädter in den letzten beiden Spielzeiten geradezu gebeutelt. Bereits im Juni absolvierte man in Kopenhagen ein erstes Trainigslager mit dem Ziel, sich kennenzulernen. Zwar standen Hielscher und Lundquist aufgrund von EM-Lehrgängen ihrer Nationalteams dem Coach in der heißen Vorbereitungsphase nicht durchgängig zur Verfügung, wenigstens konnten aber die letzten zehn Tage vor dem Punktspielstart gemeinsam absolviert werden.
Sascha Greber macht sich keine Illusionen und setzt die Zielvorgabe eher niedrig an: “Für uns zählt erst einmal der Klassenerhalt, denn die Liga ist noch stärker geworden.” Der Teammanager fügt hinzu: “Wir sind durchaus in der Lage, alle Mannschaften zu schlagen. Wenn es schlecht läuft, können wir aber auch gegen alle verlieren.” Greber zeigt sich von der Aufstellung des Aufsteigers aus dem Saarland beeindruckt: “In dieser Formation wird Saarbrücken ganz vorne mitspielen. Meisterschaftsfavorit bleibt aber Borussia Düsseldorf mit Timo Boll.”
Der Startschuss fällt am 30. August im Sportturm der Bremer Universiät ausgerechnet gegen “Angstgegner” Plüderhausen, gegen das man letzte Saison gleich dreimal unglücklich den kürzeren zog, unter anderem im Cup-Final-Four-Endspiel von Hannover. “Gegen Plüderhausen haben wir noch einiges gut zu machen”, kündigt Greber den Schwaben einen hoch motivierten SV Werder an. Da es in den folgenden Wochen eher noch schwerer wird - es folgen diffizile Auswärtsaufgaben in Saarbrücken und Düsseldorf - möchte man zum Saisonauftakt unbedingt beide Punkte an der Weser behalten. “Eigentlich ist schon angesichts der zwei folgenden Auswärtspartien ein Sieg gegen Plüderhausen Pflicht” - so jedenfalls die Einschätzung des Teamchefs.
Prognose: Noch lässt sich die Frage nicht beantworten, ob sich die Grün-Weißen durch den radikalen personellen Umbruch tatsächlich verstärkt haben. Einen Quantensprung nach vorne haben sie sicher nicht gemacht. Die neue Truppe ist vermutlich so ausgeglichen und unberechenbar wie nahezu die gesamte Liga - aber als Favoritenschreck machten sich Hielscher & Co. schon 2008/09 einen Namen. Sollte man von Verletzungspech verschont bleiben, erscheint ein Rang zwischen vier und sechs erreichbar. Anderenfalls könnte man sich aber auch erneut im Abstiegskampf wieder finden.
Quelle: DTTL-Mediendienst
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