Tischtennis
Routiniers und Talente Von TOWIU, 22.07.2009Tischtennis * DTTL: Mannschaftsmeldungen der Vorrunde 2009/10
Inzwischen liegen die vom DTTB genehmigten Mannschaftsaufstellungen für die Vorrunde der DTTL-Saison 2009/10 vor. Bereits jetzt lässt sich feststellen, dass es eine “schwache Mannschaft” in Europas stärkster Liga nicht geben wird. Auch die Neulinge Saarbrücken und Hanau schicken absolut konkurrenzfähige Truppen ins Rennen.
Den Abgängen von Dimitrij Ovtcharov und Zoltan Fejer-Konnerth stehen eine Reihe namhafter Neuzugänge gegenüber - so zog es unter anderem Ex-Weltmeister Jörgen Persson, Frickenhausens ehemaligen Publikumsliebling Bojan Tokic oder den Schweden Jens Lundquist zurück in die Bundesliga.
In der DTTL werden zudem interessante Spieler wie Yang Zi (Jülich), Andrej Gacina (Saarbrücken) oder Lee Jung Sam (Hanau) debütieren. Überdies wurden Talente wie Patrick Franziska, Kenji Matsudaira oder Fabian Akerström unter Vertrag genommen. Man schaut also über den Tellerrand hinaus und denkt perspektivisch. Die Vorfreude auf den ersten Spieltag am 29. und 30. August ist bereits jetzt groß.
Rekordmeister und Titelverteidiger Borussia Düsseldorf setzt weiterhin auf Topkönner Timo Boll, der kürzlich seinen Vertrag bis 2012 verlängert hat, und seinen Nationalmannschaftskollegen Christian Süß. Für die Abgänge Dimitrij Ovtcharov (Charleroi) und Marcos Freitas (Jülich) rücken die aus Bremen gekommenen Seiya Kishikawa und Trinko Keen ins Team des FC Bayern des deutschen Tischtennissports. Zwar wird man künftig nicht mehr von “Borussia Deutschland” sprechen können, signifikant schwächer aufgestellt als in der zurückliegenden Saison scheint der Champions-League-Sieger jedoch nicht. Es gilt nämlich zu bedenken, dass Freitas ein „Seuchenjahr” hatte und die beiden Neuzugänge das Potenzial für eine ausgeglichene Ligabilanz aufweisen, Kishikawa längerfristig gesehen sogar mehr. Der 23. nationale Meistertitel ist alles andere als ein unrealistisches Ziel. Zudem sollte man auch in der Champions League wieder heißer Titelaspirant sein. Mit Spannung wird der Saisonauftakt am 29. August im Burg-Wächter Castello gegen Aufsteiger 1.FC Saarbrücken erwartet. Vor vermutlich mehr als 4.000 Zuschauern dürfte die Partie gegen den stark besetzten Liganeuling einen ersten Fingerzeig geben, ob die Borussia in der neuen Saison ebenso dominant auftreten kann wie 2008/09.
TTF Liebherr Ochsenhausen setzt exakt auf die eingespielte Truppe der Saison 2008/09. Kontinuität ist also Trumpf beim “Vize”, der sowohl in der Meisterschaft als auch in der europäischen Königsklasse trotz spektakulärer Auftritte am Ende „zweiter Sieger” blieb. In der Aufstellung Chuang Chih-Yuan, Adrian Crisan, Pär Gerell und Tiago Apolonia dürfte das Team von Trainer Anders Johansson auch kommende Saison bei allen bedeutsamen Entscheidungen ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Lediglich bei dem rumänischen Nationalspieler war gegen Saisonende etwas Sand im Getriebe, die Tendenz der übrigen Akteure zeigte eindeutig nach oben. Die solide, perspektivisch ausgerichtete Arbeit der Oberschwaben mit ihrer funktionierenden Trainingsgruppe könnte, ja sollte sich auszahlen. Ochsenhausen ist und bleibt einer der Topklubs der DTTL und hat noch Steigerungspotenzial. Ob man sich diesmal freilich der Toptruppe aus Düsseldorf in durchaus wieder denkbaren Finalsituationen gewachsen zeigen wird, steht noch in den Sternen.
Der TTC Frickenhausen – die Liaison mit Würzburg und Frank Müller ist nach nur einer Saison wieder beendet, der „Tälesklub” somit wieder durch und durch schwäbisch – setzt im Prinzip auch auf bewährtes Personal, muss allerdings den Verlust von Nationalspieler Patrick Baum kompensieren. Tan Rui Wu, Bastian Steger und der in seiner ersten DTTL-Saison so überzeugende Tischtennis-Teenager Kenta Matsudaira bilden den Stamm, einspringen könnte der junge schwedische Materialkünstler Fabian Akerström, den es von Steinheim zurück ins Neuffener Tal zog. Trainer Qiu Jianxin, dessen Söhnen ebenfalls eine Bundesliga-Zukunft prognostiziert wird, ist für seine vorzügliche Arbeit mit talentierten Spielern bekannt und hält Matsudaira für einen „Rohdiamanten”, dem er den nötigen Feinschliff verabreichen möchte. Einschätzung: Play-Off-Kandidat, sofern der wieselflinke, psychisch aber nicht immer stabile Tan Rui Wu sein sportliches und mentales Rückrundentief überwunden hat und Matsudaira sich auf dem hohen Niveau der Vorsaison stabilisieren kann.
Play-Off-Halbfinalist TTC Rhönsprudel Fulda-Maberzell ist künftig je zur Hälfte chinesisch und schwedisch bestückt. Man hat sich auf dem Papier verstärkt und mit Tischtennis-Promi Ma Wenge einen namhaften Neuzugang im Kader. Dennoch werden die Osthessen wohl auf ihr eingespieltes, gut harmonierendes Terzett der Vorsaison setzen. Chinese Ma darf nämlich nur dann am Tisch stehen, wenn Landsmann Wang Xi, Maberzells Topspieler und der Abwehrspezialist der DTTL schlechthin, pausiert – und das darf als nicht allzu wahrscheinlich gelten. Tischtennislegende Jan-Ove Waldner, der charismatische „alte Schwede” mit der goldenen Hand, dessen Zugkraft ungebrochen scheint, steht trotz seiner bald 44 Jahre nach einer guten Saison erneut im Fuldaer Kader. Sein kampfstarker Landsmann Robert Svensson komplettiert das Team, das vermutlich erneut um einen der begehrten Play-Off-Plätze mitspielen wird. Das begeisterungsfähige Heimpublikum dürfte seinen Teil zum Erfolg beitragen und Waldner & Co. wie gewohnt nach vorne peitschen. Schafft man es, den Hang zum schwachen Saisonstart abzulegen und diesmal vom ersten Ballwechsel an auf dem traditionell hohen Rückrundenniveau zu agieren, könnte man am Ende der Punktrunde die beste Platzierung der Vereinsgeschichte erreichen. Mit der in Liga zwei aufgestiegenen „Zweiten” hat der TTC erstmals einen Unterbau mit Sichtkontakt zur DTTL-Truppe vorzuweisen, was sich mittel- und längerfristig als Pluspunkt erweisen könnte.
Um Haaresbreite gescheitert am Play-Off-Einzug war der Senkrechtstarter der Saison 2008/09 SV Plüderhausen, der nach sensationellen Leistungen ETTU-Pokal und Ligacup ins Remstal holen konnte und zu einer Art Kultklub des Jahres avancierte. Trotz des Abgangs von Leung Chu Yan dürften die Schwaben erneut eine starke Truppe ins Rennen schicken, zumal mit Schwedens Ex-Weltmeister Jörgen Persson, der bereits 2004/05 in Plüderhausen spielte, mehr als bloß ein Ersatz gefunden wurde. Persson, trotz seiner 43 Jahre noch immer ein Ausnahmekönner, der Zuschauer anzieht, wird derzeit als Nummer 20 der Welt geführt. Zudem wurde mit Talent Paul Drinkhall vom Ligarivalen Jülich Großbritanniens Olympia-Hoffnungsträger für 2012 unter Vertrag genommen. Publikumsliebling Aleksandar Karakasevic blieb den „Gelbhemden” ebenso treu wie der polnische Nationalspieler Jakub Kosowski. Zur Belohnung dürfen beide mit dem SVP diesmal sogar in der europäischen Königsklasse antreten. Prognose: Plüderhausen ist national und international immer für einen Überraschungscoup gut und könnte 2009/10 die Hürde Play-Off-Einzug nehmen.
Traditionsklub TTC Zugbrücke Grenzau ist hinter Rekordchampion Düsseldorf immerhin Nummer zwei in Deutschlands „ewiger” Erfolgsrangliste. Allerdings scheiterten die Westerwälder nun bereits zweimal in Folge am Halbfinaleinzug. Zeit, dass sich was dreht! Zoltan Fejer-Konnerth wurde abgegeben, dafür rückt mit Megatalent Patrick Baum, mittlerweile auf Rang 36 der Weltrangliste „emporgeschossen”, ein deutscher Nationalspieler mit großem Potenzial ins Team der Brexbachtaler. An Position eins ist immer noch der routinierte Pole Lucjan Blaszczyk gemeldet, der eine eher bescheidene Saison hinter sich hat. Ihm folgen Baum und der kampfstarke Tscheche Tomas Pavelka, ein Teamplayer, der besonders dann am Adrenalin-Limit spielt, wenn es für die Mannschaft um alles oder nichts geht. Im „B-Team” - auch Grenzaus Reserve startet in der zweithöchsten Spielklasse - stehen mit dem talentierten Kenji Matsudaira, dem Bruder des Frickenhausener Jungstars, und dem lettischen Nationalspieler Mattis Burgis zwei junge Akteure mit großen Ambitionen auf Abruf bereit, denen mittelfristig der Sprung in die DTTL gelingen dürfte. Eine Saisonprognose fällt in dieser ausgeglichenen Liga außerordentlich schwer, von Platz drei bis acht scheint alles möglich. Zudem könnte die Truppe aus dem Westerwald im ETTU-Cup Akzente setzen.
Auch beim nördlichsten Bundesligisten, dem SV Werder Bremen, tut sich einiges. Nachdem Toptischtennis an der Weser erfolgreich etabliert werden konnte, wagt man sich nun an die nächste Ausbaustufe mit neuer Tischtennishalle und Runderneuerung des Kaders. Keen und Kishikawa wurden nach Düsseldorf abgegeben, fielen also auf der Karriereleiter nach oben. Auch den Rumänen Cioti ließ man ziehen. Dafür wurde um Dauerbrenner Lars Hielscher ein neues Team installiert, in dem Bundesligarückkehrer Jens Lundquist, der schon die Frickenhausener und Ochsenhausener Farben trug, eine wichtige Rolle spielen soll. Neben dem international erfahrenen Schweden wurde der Japaner Taku Takakiwa aus Jülich geholt, der großes Potenzial hat, aber bislang noch nicht die zum Topspieler erforderliche Konstanz zeigte. Ein noch eher unbeschriebenes Blatt ist der Rumäne Adrian Dodean – Trainer Cristian Tamas hält jedoch große Stücke auf den neuen Vierer. Diese Truppe ist so ausgeglichen und unberechenbar wie nahezu die gesamte Liga. Sollte man von Verletzungspech verschont bleiben, erscheint ein Rang zwischen vier und sechs realistisch. Anderenfalls könnte man sich aber auch erneut im Abstiegskampf wieder finden.
Nichts blieb wie es war beim letztjährigen Tabellenachten TTC indeland Jülich, lediglich Trainer Johannes Dimmig wird auch künftig erster Mann auf der Kommandobrücke sein. Die Recken der Saison 2008/09 Jörg Roßkopf, Taku Takakiwa und Paul Drinkhall fanden neue Arbeitgeber, an ihre Stelle treten vier junge Akteure, deren drei in Europas stärkster Liga debütieren werden. Lediglich Rückkehrer Marcos Freitas, der dem Vernehmen nach mit dem Erfolgsdruck beim deutschen Rekordmeister nicht zurechtkam, hat schon drei Jahre Bundesligaluft schnuppern können. Der talentierte Linkshänder aus Portugal könnte im neuen und doch vertrauten Umfeld wieder aufblühen. Mit Yang Zi aus Singapur wurde einer der weltbesten Doppelspezialisten in die westliche Grenzregion geholt. Man hofft, dass der Asiate als neuer Führungsspieler einschlägt. Das Team wird komplettiert durch zwei ambitionierte Ex-Zweitligaspieler, die im Doppelpack vom TTC Hagen nach Jülich gelotst wurden: Der Franzose Loic Bobellier-Mammot und der Pole Filip Szymanski setzten im Unterhaus Akzente. Ob sie dazu auch schon in der DTTL imstande sind, muss zunächst mit einem Fragezeichen versehen werden. Ungewöhnlich: drei Linkshändern im Team steht ein einziger Rechtshänder (Szymanski) gegenüber. Manager-Urgestein Arnold Beginn ist durch und durch überzeugt von der neuen Truppe, die er für optimal zusammengestellt und außerordentlich steigerungsfähig hält. Vermutlich werden die „Unabsteigbaren” aus der alten Herzogstadt am Niederrhein dennoch vom ersten Ballwechsel an um den Klassenerhalt zu kämpfen haben.
Aufgrund der Finanznöte des zweifachen Champions-League-Siegers Gönnern tritt mit Hanau, das als Geburtsort der Brüder Grimm Berühmtheit erlangt hat, eine neue Tischtennis-Stadt aus dem Rhein-Main-Gebiet ins Rampenlicht. Die bisher vornehmlich im Breitensport engagierte TG Hanau übernahm in einem in der Bundesligageschichte beispiellosen Schachzug nicht nur die Spielklasse des Ex-Timo-Boll-Klubs, sondern auch nahezu den kompletten Kader samt Erfolgstrainer Helmut Hampl. Der spielstarke 20-jährige Taiwanese Chiang Hung-Chieh sowie die deutschen Talente Ruwen Filus und Steffen Mengel werden künftig ebenso das TGH-Trikot tragen wie Tischtennis-Ikone Jörg Roßkopf. Mit dem gerade in der Region ungemein populären „Rossi” hat man eine Identifikationsfigur sowie einen echten Leitwolf für die jugendlichen Mitspieler gewonnen. Um nicht wie Gönnern 2008/09 mit dem letzten Aufgebot antreten zu müssen, wenn Chiang von seinem Verband „abkommandiert” wird, hat man sich zudem die Dienste des hoch talentierten Südkoreaners Lee Jung Sam gesichert, der in der Mai-Weltrangliste immerhin bereits an Position 75 geführt war. Mit dem 17-jährigen Patrick Franziska, den viele für Europas größtes Tischtennistalent und manche für den geborenen Timo-Boll-Nachfolger halten, hat Helmut Hampl außerdem seinen Lieblingsschüler zur TGH geholt. In fünf Jahren will der neue Komet am Tischtennishimmel in der Champions League spielen, wie der Trainer glaubhaft versichert. Zuzutrauen wäre es den ehrgeizigen Hessen, deren Jugendkonzept – unterstützt vom Hessischen Tischtennis-Verband – als Faustpfand für die Zukunft gelten darf. Hanau könnte zu einer echten Bereicherung der DTTL werden, allerdings gilt es zunächst, sich in der Liga zu akklimatisieren und den Klassenverbleib zu sichern. Gelingt es zudem, sich als sportliche Größe im Rhein-Main-Gebiet zu etablieren und weitere Sponsoren zu überzeugen, steht einer erfolgreichen Zukunft des ehrgeizigen Projekts nicht mehr viel im Wege.
„Table Tennis is coming home” – so könnte man die Story des Aufsteigers 1.FC Saarbrücken überschreiben. Das Gründungsmitglied der Tischtennisbundesliga 1966/67 ist ein Traditionsklub, der nach Jahrzehnten der Zweit- und Drittklassigkeit nun die einmalige Chance hat, dem tischtennisbegeisterten Saarland wieder großen Sport zu präsentieren. In der Joachim-Deckarm-Halle, in der jeden Winter das Schauturnier Energis Masters Cup vor ca. 3.000 Zuschauern ausgetragen wird, wird man künftig die Bolls, Waldners, Perssons und Roßkopfs im Ligaalltag bestaunen dürfen und vermag diesen eine Mannschaft entgegenzustellen, die keinesfalls an einen klassischen Aufsteiger oder gar Underdog erinnert. Mit Bojan Tokic steht Frickenhausens ehemaliger Publikumsliebling auf Position eins. Der extrovertierte Slowene hat ebenso gehobenes DTTL-Niveau wie Hongkong-Chinese Leung Chu Yan, der zuletzt Leistungsträger in Plüderhausen war – der Penholderspieler kann an guten Tagen jeden Liga-Kontrahenten bezwingen, außer vielleicht Timo Boll. Saarbrückens Trainer Matthias Landfried hat bereits in seiner Würzburger Zeit vier Jahre lang mit Leung gearbeitet. Komplettiert wird das markante Trio durch den jungen, in der Juli-Weltrangliste auf Rang 71 geführten Kroaten Andrej Gacina, der immerhin von Europas Kultklub Charleroi an die Saar geholt wurde und auf dessen DTTL-Debüt man gespannt sein darf. Prognose: Stolperstein für manchen, der hoch hinaus will, und eine Bereicherung der Liga. Spielen die drei genannten Akteure durchgängig, ist ein Play-Off-Platz keine Fiktion.
Größtmögliche sportliche Qualität bei wirtschaftlicher Vernunft ist Trumpf - kein Verein probt den finanziellen Ritt auf der Rasierklinge, schon gar nicht angesichts der im Zeichen der allgemeinen Wirtschaftskrise nicht einfacher gewordenen allgemeinen Sponsorensituation. Obwohl das Spielerangebot aufgrund des finanziellen Desasters von italienischen, spanischen und polnischen Spitzenklubs immens war und sich viele namhafte Akteure von Weltrang auf dem Markt befanden, haben die zehn Manager ihre Kader mit Bedacht und Bodenhaftung ausgewählt. Eine ausgewogene Mischung aus markanten Spielertypen mit hohem Identifikationswert und den möglichen Topstars von morgen dürfte weitestgehend gelungen sein. Insgesamt scheint die DTTL nochmals einen Tick stärker geworden zu sein - die Fans dürfen sich freuen.
Quelle: DTTL-Mediendienst
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