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Tischtennis

Frickenhausen und Fulda hoffen auf “ein kleines Wunder” Von TOWIU, 13.05.2009

Tischtennis * Deutsche Tischtennis-Liga: Vorschau auf die Halbfinalhinspiele

DTTL LogoAm Freitag wird es ernst: die Crème de la Crème des deutschen Mannschaftstischtennis tritt zur ersten Play-Off-Runde an. Nachdem die Topteams aus Düsseldorf und Ochsenhausen bereits fünf Tage zuvor mit dem Champions-League-Endspiel Nummer eins in die finale Saisonphase eingestiegen sind, gesellen sich nun in den Halbfinalhinspielen um die deutsche Meisterschaft noch Vorjahresfinalist Frickenhausen/Würzburg sowie das Waldner-Team aus Fulda-Maberzell hinzu.

Die Osthessen empfangen Rekordchampion Düsseldorf in einer modernen Eventhalle - Boll & Co. sind gewarnt vor einem unberechenbaren Gegner, der an guten Tagen eine Macht ist.
Ochsenhausen muss im Schwabenderby gegen den Vizemeister ebenfalls auf der Hut sein: zum einen ist die Truppe aus dem Neuffener Tal, die die gesamte Vorrunde der DTTL dominierte, äußerst spielstark, zum anderen darf die Fokussierung auf den großen Champions-League-Showdown am Sonntag nicht dazu verleiten, im Play-Off-Halbfinale unbewusst mit angezogener Handbremse zu agieren.

TTF LIEBHERR Ochsenhausen - TTC Müller Frickenhausen/Würzburg
Freitag, 19:30 Uhr
(Paul-Heckmann-Kreissporthalle im BSZ, Leipziger Str. 11, 88400 Biberach)

Die Oberschwaben plagt ein ähnliches Problem wie Borussia Düsseldorf: Das gefühlte Spiel des Jahres steigt zwei Tage später in der heimischen Arena, das verständlicherweise das alles beherrschende Thema in der Region und auch in den Köpfen der Spieler ist. Dennoch gilt es, am Freitag im Schwabenderby gegen den spielstarken alten Rivalen jeden Gedanken an die möglicherweise bevorstehende europäische Thronbesteigung zu verdrängen - mit gedrosselter mentaler Kraft ist dieser Gegner nämlich nicht zu bezwingen.
Steger & Co. konnten sich dagegen in Ruhe auf diese Partie vorbereiten und sind in ihrer Konzentration nicht abgelenkt. Zwar genießt man im Neuffener Tal förmlich die Außenseiterrolle gegen den Champions-League-Finalisten, jedoch rechnet man sich insgeheim schon etwas aus. Das Rückspiel in der Liga hatte man zwar relativ chancenlos mit 1:3 verloren, im ersten Saison-Vergleich freilich die Oberschwaben mit 3:2 bezwungen - damals ritt ein überragender Tan Rui Wu noch auf seiner Erfolgswoge, die in der Rückserie jäh versiegte, und gab Chuang und Crisan jeweils in fünf hart umkämpften Sätzen das Nachsehen.
Beim “Tälesklub” weiß man nur zu gut, dass man urplötzlich gar nicht mehr in der eindeutigen Außenseiterposition wäre, wenn Tan - Vorrunde 9:1, Rückserie 1:9 (!) - wieder sein ganzes Können zeigen würde und die mentale Blockade schlagartig gelöst wäre. Und so etwas kann jederzeit und ohne Vorankündigung eintreten. Dann hätte der wieselflinke, kleine China-Kroate mit dem konstant starken deutschen Nationalspieler Bastian Steger und dem immer besser werdenden japanischen Tischtennis-Teenager Kenta Matsudaira zwei hochkarätige Mitstreiter an seiner Seite und der TTC mit dem zu Grenzau wechselnden Patrick Baum noch eine weitere Trumpfkarte im Ärmel.
Besonders Matsudaira - DTTL-Bilanz 11:4 - hat zuletzt geglänzt und in Yokohama sein immenses Potenzial unter Beweis gestellt. Bei der WM wäre der hochtalentierte Zahnspangenträger mit dem charakteristischen Aufschlag aus der Hocke fast zum Nationalhelden geworden. Er drang bis in die Runde der letzten 16 vor und lieferte dort Olympiasieger Ma Lin ein grandioses Match, den er am Rande einer Niederlage hatte - sehr glücklich behielt der in Bedrängnis geratene Chinese mit 11:9 im siebten Satz schließlich doch noch die Oberhand.
In der Weltrangliste hat Matsudaira unterdessen einen Sprung von fast vierzig Plätzen gemacht und sich auf Rang 62 verbesserte, was seine tatsächliche Leistungsstärke aber noch immer nicht exakt widerspiegelt.

Chuang Chih-Yuan, Adrian Crisan, Pär Gerell und Tiago Apolonia werden folglich am Freitagabend sämtliche Reserven mobilisieren müssen, wollen sie ihrer vermeintlich klaren Favoritenrolle auch tatsächlich gerecht werden. In Biberach, wo die Begegnung unter der Leitung von Oberschiedsrichter Manfred Rogotzki sowie seinen Schiedsrichterkollegen Walter Hartmann, Lothar Jander und Thomas Wandel steht, könnte es eine enge Angelegenheit werden - sogar ein echter Tischtenniskrimi ist nicht auszuschließen.

Entsprechend vorsichtig zeigt sich auch TTF-Generalmanager Kristijan Pejinovic vor dem brisanten Derby: “Der Freitag wird ein ganz entscheidendes Spiel für uns. Beim Schwabenderby müssen wir höllisch aufpassen und auf die vollste Unterstützung der Fans und der Region hoffen, da für die Zuschauer der Sonntag zu dominant ist. Die Spieler sind sich des Gegners bewusst und Matsudaira hat bei der WM gezeigt, wozu er fähig ist. Frickenhausen hat nichts zu verlieren und hat das zweite Spiel bei sich zu Hause. Wir haben dagegen noch ein Finale zwei Tage später zu bestreiten. Deswegen muss der Fokus erst mal auf Freitag gelegt werden.” Pejinovic formuliert aber auch das eindeutige Ziel: “Wir wollen einen Sieg, um mit klaren Köpfen am Sonntag daran anknüpfen zu können!”

Frickenhausen/Würzburgs Präsident Rolf Wohlhaupter-Hermann betont die Außenseiterrolle seiner Truppe: “Wir fahren als krasser Außenseiter nach Ochsenhausen. Die Gastgeber sind durch den Sieg im ersten Champions-League-Finale gegen Borussia Düsseldorf physisch und psychisch gestärkt und gehen daher mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen in die Partie. Wir werden versuchen, dagegen zu halten und ein gutes Ergebnis zu erzielen.” Manager Christoph Reuhl schlägt in die gleiche Kerbe: “In der Form, in der sich Ochsenhausen gerade befindet, sind wir krasser Außenseiter. Ich glaube, dass Ochsenhausen im Moment nur zu schlagen ist, wenn alle an ihrem absoluten Leistungslimit spielen. Das haben wir in letzter Zeit gerade aus Verletzungsgründen nicht gekonnt. Ich hoffe auf ein kleines Wunder, dass alle hundert Prozent fit sind und wir die Sensation schaffen.”

Auch TTC-Trainer Jian Xin Qiu zeigt Respekt vor der Johansson-Truppe: “Ochsenhausen präsentiert sich zur Zeit in einer sehr guten Form. Wir sind daher in dieser Begegnung nur Außenseiter, werden jedoch alles geben und versuchen, schöne Spiele zu zeigen und ein knappes Ergebnis zu erzielen.”

TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell - Borussia Düsseldorf
Freitag, 19:30 Uhr
(Esperantohalle, Esperantostrasse, 36037 Fulda)

Für Fulda ist es das Spiel des Jahres, auf das sämtliche Kräfte konzentriert sind, für den nach der ECL-Hinspielniederlage gegen Ochsenhausen leicht angeschlagenen Rekordmeister ist es eine schwierige Aufgabe, die zwei Tage vor dem Königsklassen-Showdown in Biberach mit voller Konzentration in Angriff genommen werden muss, um keine böse Überraschung zu erleben.

Die Osthessen haben sich gegen die enge Wilmingtonhalle, die etwa 900 Zuschauern Platz und eine gefürchtete Hexenkessel-Atmosphäre bietet, und für eine moderne, geräumige, TV-gerechte Eventhalle entschieden. Die Esperantohalle hat ein Fassungsvermögen von ca. 3.300 Menschen - 2.000 werden am Freitag erwartet, die lautstark versuchen dürften, Wang Xi, Robert Svensson und Tischtennis-Ikone Jan-Ove Waldner zum Sieg zu treiben. Besonders auf dem wendigen chinesischen Defensiv-Ass mit dem fulminanten Vorhandtopspin ruhen die Hoffnungen Fuldas - immerhin hat Wang eine Rundenbilanz von 16:7 erzielt und in der Rückserie sogar 8:2 gespielt, womit er, wie schon in der Vorsaison, zu den stärksten DTTL-Akteuren zählt. Aber auch “Oldie” Waldners 6:2 in der Rückrunde ist aller Ehren wert.

Einmal hat der Angriff auf die Bastion Düsseldorf bereits funktioniert, allerdings in der ausverkauften Wilmingtonhalle. Als nämlich die miserabel in die Saison gestarteten Maberzeller, die anschließend eine bemerkenswerte 18:6-Serie hingelegt hatten, am letzten Spieltag unbedingt einen Sieg über den Ligaprimus benötigten, um im Fernduell mit Plüderhausen um den vierten Play-Off-Platz zu bestehen, feierte man einen mit viel Adrenalin heraus gespielten 3:0-Triumph gegen eine Borussia, die ohne Timo Boll schließlich vor der unglaublichen Willenskraft des Gastgebers kapitulieren musste.

Doch nun sind die Voraussetzungen andere: Der Weltranglistenvierte, der in der Champions League am letzten Sonntag sein Comeback feierte, wird dabei sein, die Hürde somit höher liegen. Zudem sind die Rheinländer gewarnt und wollen sich nach der Niederlage gegen Ochsenhausen keine weitere Blöße geben. Der bekanntermaßen kampfstarke Gastgeber wird dagegenhalten, so dass ein rassiges Play-Off-Match unter der Leitung von Oberschiedsrichter Markus Michalek und seinen Kollegen Dr. Hubertus Reiner, Tobias Pumm und Klemens Rang zu erwarten steht.

Fuldas Chef Stefan Frauenholz ist stolz auf seine Truppe und versichert: “Unser 3:0-Sieg gegen Düsseldorf war keine Eintagsfliege. Die Mannschaft weiss um ihre Stärken.” Dennoch gesteht der Vereinsvorsitzende dem hochkarätig besetzten Gast die eindeutige Favoritenrolle zu: “Wir schätzen unsere Chancen auf 30:70 ein und wissen, dass Düsseldorf nur sehr schwer zu knacken sein wird.”
Frauenholz ist davon überzeugt, dass auch in der Esperantohalle jenes charakteristische Fuldaer Fluidum entstehen könnte, das den Klub aus der Rhön weithin gefürchtet macht: “Wir wollen durch den Hallenwechsel allen unseren Fans die Möglichkeit geben, das Spiel zu sehen und uns damit für die phantastische Unterstützung in der laufenden Saison bedanken. Vielleicht wird ja auch die Esperantohalle zu einem Hexenkessel, das wird ganz vom Spielverlauf abhängen. Ich hoffe auf 2.000 begeisterte Zuschauer.”

Andreas Preuß ist auf der Hut: “Wir werden uns intensiv auf das Play-Off-Halbfinale in Fulda vorbereiten, wo uns sicher ein Hexenkessel mit 2.000 Zuschauern erwarten wird. Nach der klaren Niederlage vor einigen Wochen sind wir mehr als gewarnt. Fulda hat eine sehr starke Mannschaft und kann sich seit Wochen in Ruhe auf das Spiel vorbereiten.” Generell rechnet Düsseldorfs Manager mit einem “aufregenden Wochenende”: “Ich setze auf die Nervenstärke unserer Mannschaft, die sich in entscheidenden Momenten sicher noch steigern kann.”

Auch Trainer Dirk Wagner zeigt Respekt vor dem Gegner: “Fulda hat eine ganz starke Mannschaft mit Wang, Waldner und Svensson. Wären sie nicht so schlecht in die Saison gestartet, dann hätten sie ganz vorne mitgemischt.” Der Borussia-Coach beschreibt die unterschiedliche Ausgangssituation beider Klubs: “Für Fulda ist es das Spiel des Jahres, für uns ein sehr, sehr wichtiges. Aber unser Spiel des Jahres findet zwei Tage später statt. Das macht es natürlich nicht einfacher. Dennoch weiß bei uns jeder im Verein, was an diesem Wochenende auf dem Spiel steht.”
Wagner bestreitet nicht, dass die Niederlage im ersten ECL-Endspiel Spuren hinterlassen hat: “Klar sind wir etwas angeschlagen. Bekanntlich rüttelt so etwas aber auch richtig wach. Wir wissen, dass wir besser sein müssen und werden alles dafür tun.” Entsprechend konzentriert wird seit Montag im DTTZ gearbeitet: “Wir haben kein Power-Training gemacht, sondern gezielt an Feinheiten gearbeitet. In dieser Phase ist es wichtig, das Training genau zu dosieren, um übermorgen und Sonntag frisch und topfit zu sein.”

Auch Borussia-Verwaltungsratsvorsitzender und DTTB-Ehrenpräsident Hans Wilhelm Gäb rechnet fest mit “seinen” Düsseldorfern: “Timo, Dima und Christian würden mich aus der Halle jagen, wenn ich nicht an sie und die Borussia glauben würde!”

TV, Internet, Liveticker
Die Highlights der ersten beiden Halbfinalspiele in der Deutschen Tischtennis Liga werden am Samstag (16.05.) von 17:30 bis 18:30 Uhr in einer Zusammenfassung im DSF zu sehen sein.
Darüber hinaus kann die Partie in Fulda vom ersten bis zum letzten Ballwechsel unter www.DTTL.tv im Livestream verfolgt werden. Vom Spiel in Biberach wird es zwar keinen Livestream, aber eine on-demand abrufbare Zusammenfassung auf www.DTTL.tv ab Samstagvormittag geben.

In der Esperantohalle wird Tim Niedernolte, allgemein bekannt als Premiere-Reporter in der Fußball-Bundesliga, moderieren, für die Kommentare zeichnet René Adler verantwortlich. Hajo Wolff kommentiert für das DSF. Sendungsleiter in der Münchner Zentrale ist Andreas Neumann, in Fulda selbst obliegt Martin Weinberger die Leitung. In Biberach wird Christian Baier die Moderation vornehmen.

Quelle: DTTL-Pressedienst

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