Sport
Erich Kühnhackl zähmte die Young Highlander Von Joachim Herbert, 08.02.2008Eishockey * Story: Training beim Nachwuchs des VERC Lauterbach
Die Legende lebt – und hält ihre potentiellen Nachfolger ganz schön auf Trab. So geschehen am Freitag, als Erich Kühnhackl die Young Highlander des VERC Lauterbach zwei Stunden lang trainierte. Mit Pfeife und lauter Stimme ausgestattet zeigt er den kleinen Kufencracks, wie man ein ganz Großer werden kann.
Doch was verschlägt Deutschlands Eishockeyspieler des Jahrhunderts nach Lauterbach? Die im September 2001 gegründete Erich-Kühnhackl-Stiftung hat es sich zum Ziel gesetzt, den deutschen Eishockeynachwuchs zu unterstützen. „Bei dieser Stiftung können Eishockeyvereine ihre Nachwuchsarbeit präsentieren. Das haben wir getan und gewonnen“ erläutert der erste Vorsitzende des VERC, Bertram Höhl.
Als Preis standen entweder ein Satz Trikots, ein Satz Trainingsanzüge oder eine zweistündige Trainingseinheit mit dem Meister persönlich zur Wahl. Beim VERC überlegt man nicht lange und entschied sich für die Übungsstunden mit Erich Kühnhackl.
Dem liegt die Förderung des Nachwuchses sehr am Herzen. Und Förderung bedeutet in diesem Fall nicht nur das reine Zuschießen von Geld. „Die Einnahmen der Erich-Kühnhackl-Stiftung belaufen sich pro Jahr auf etwa 200.000 bis 250.000 Euro, die durch diverse Projekte zusammen kommen. Dieses Geld wird eins zu eins an den Nachwuchs weitergegeben“, sagte Erich Kühnhackl auf der Pressekonferenz, die vor der ersten Trainingseinheit stattfand. „Wir haben ein mehrköpfiges Gremium das entscheidet, wofür das Geld verwendet wird.“
Nachwuchsförderung ist eine Herzenssache
Wofür genau, erklärte Kühnhackl mir zwischen seinen beiden Trainingseinheiten in der Trainerkabine. Und hier merkte man dem 57-Jährigen deutlich an, wie sehr ihm die Förderung des Nachwuchses am Herzen liegt. „Ziel der Stiftung ist es, bundesweit den jungen Eishockeyspielern zu helfen. Das kann auf ganz verschiedene Arten passieren. Wenn sich ein Verein bemüht, hauptamtliche Nachwuchstrainer einzusetzen, überprüft die Stiftung das und übernimmt möglicherweise die Kosten für den Trainer. Oder wir haben Stipendien für einzelne Spieler. Oder unterstützen den Nachwuchs bei einem geplanten Vereinswechsel. Oder helfen bei Arbeitsplatz- oder Lehrstellensuche.“
Doch können nicht alle talentierten Kufencracks in den Genuss der Stiftung kommen und selbst wenn man die Unterstützung durch das Umfeld hat, zählen noch ganz andere Faktoren, um es im Eishockey ganz nach oben zu schaffen. „Der Spieler, der ganz nach oben will, der in die DEL, in die Nationalmannschaft oder sogar in die NHL will, muss es unbedingt wollen. Das ist die Grundvoraussetzung. Und er darf den Spaß an der Sache nicht verlieren“, weiß Kühnhackl. „Das ist selbst bei den Profis so. Auch die müssen den Spaß am Eishockeyspielen behalten, trotz des Drucks, der auf ihnen lastet. Die jungen Spieler müssen sich frühzeitig an den Leistungsdruck gewöhnen, sie müssen Disziplin haben und dürfen sich für nichts zu schade sein.“
Im Sommer hart trainieren
In diesem Kabinengespräch mit Erich Kühnhackl ist ganz deutlich zu merken: Der Mann ist in seinem Element. Ein Stichwort, eine kurze Frage reicht aus und die Antworten sprudeln nur so aus ihm heraus. Auch wenn es um die Gestaltung eines guten Trainings geht, hat der ehemalige Bundestrainer wichtige Tipps parat, die sich nicht nur auf den sportlichen Aspekt beziehen. Klar geht es auch um das Training. „Das sollte ganzjährig stattfinden. Auch im Sommer kann man hart trainieren“, sagt Kühnhackl, der die Phase vom achten bis zum zwölften Lebensjahr als besonders wichtig zum Erlernen der technischen Fähigkeiten ansieht.
Und dann zieht er den Vergleich mit den nordischen Nationen, in denen Eishockey einen viel größeren Stellenwert hat als in Deutschland. „In Finnland oder Schweden hätte ein Verein wie Lauterbach drei bis fünf hauptamtliche Trainer. Außerdem ist Eishockey dort Schulsport. Auch ein Grund dafür, dass uns andere Länder sportlich voraus sind.“
Kindern Werte vermitteln
Doch nicht nur der sportliche Aspekt des Trainings ist für Kühnhackl von Bedeutung. „Ganz wichtig sind die Werte, die die Kinder im Verein lernen müssen. Disziplin, selbstkritisch zu sein und sich in einer Mannschaft unterordnen zu können sind ganz wichtig. Die Problematik in Deutschland wäre kleiner, wenn wir wieder einen Bundeskanzler oder eine Kanzlerin hätten, der sich dem Sport verschreibt und diesen mehr fördert“ ist Kühnhackl überzeugt.
Und was ist das Geheimnis eines guten Eishockeyspielers? Wie wird man ein Star auf Kufen? Kühnhackl lächelt und schnippt mit zwei Fingern: „Er muss es einfach haben. Er muss diesen `touch` haben. Und den hat man oder eben nicht. Doch nur mit diesen Spielern geht es auch nicht. Jede Mannschaft braucht Einzelkönner, aber auch Spieler, die hart arbeiten und Akteure, die athletisch sind.“
Sagt’s, bedankt sich und macht sich wieder auf’s Eis. Und dort warten schon die nächsten Young Highlander auf ihren prominenten Coach, denn nachdem zuerst die jüngeren dran waren, werden nun die älteren Jugendlichen gefordert. Die Kleinen haben sich zwischenzeitlich schon Autogramme des 211-fachen Nationalspielers besorgt. Schließlich trifft man nicht jeden Tag eine lebende Legende.
- E-Mail an Joachim Herbert schreiben
- Mehr Artikel von Joachim Herbert
- Kommentare per RSS 2.0 verfolgen
- Artikel kommentieren
- Trackback setzen.
