Sport
American Football auf dem Weg in die Schulen Von Joachim Herbert, 27.06.2007American Football * Story: SMOG e.V. veranstaltet Training mit 360 Achtklässlern
Im Fuldaer Stadion bestimmte am vergangenen Mittwoch einmal nicht das runde Leder das Geschehen auf dem Rasen, sondern diesmal war das Spielgerät ein Ei – und zwar eines aus rauem braunem Leder. Etwa 360 Schüler aus dem ganzen Landkreis waren mit ihren Lehrern gekommen, um zu lernen, wie sie dieses Ei gekonnt durch die Luft befördern können.
Organisator dieser Veranstaltung war der Verein SMOG e.V. (Schule machen ohne Gewalt), auf dessen Initiative Achtklässler aus 20 Schulen im Landkreis Fulda im vergangenen Schuljahr am Antikonflikttraining „Cool sein, cool bleiben“ teilnahmen. Pro Klasse wurden die Schüler und Schülerinnen an zwei Vormittagen von speziell geschulten Polizeibeamten darauf vorbereitet, wie man in brenzligen Situationen reagiert.
„Das ganze geschieht aus der Sicht des Opfers“, sagt Hauptkommissar Karl-Heinz Hofmann, Jugendkoordianator im Polizeipräsidium Osthessen und verantwortlich für die Organisation bei SMOG e.V. „Der Ansatz der Polizei ist, das Straftatverhalten zu minimieren. Für unsere Seminare setzen wir Polizeibeamte aus den jeweiligen Orten ein, die die Jugendlichen vielleicht bei der nächsten Kontrolle wieder treffen. Da geht man dann ganz anders miteinander um“ so Hofmann.
Lotsen helfen, Konflikte zu reduzieren
Am Footballtraining beteiligten sich letztlich elf Schulen und nicht nur die Schüler waren mit Begeisterung dabei, auch die Lehrer fanden lobende Worte: „Wir freuen uns auf das, was heute passiert und sind schon gespannt“, sagte Lehrer Karl Hau von der Konrad-Adenauer-Schule. Sein Kollege Gerrit Klinkert von der Rhönschule in Gersfeld stellt den Nutzen des Antigewalttrainings heraus: „Von unserer Schule dürfen bei dieser Veranstaltung nur die Seminarteilnehmer mitmachen, die sich zusätzlich noch als Schulbuslotse haben schulen lassen. Seit es die Lotsen gibt, sind die Konflikte in den Bussen um 80 bis 90 % zurückgegangen.“
Mit dem Sport Football ist Klinkert an seiner Schule schon in Berührung gekommen. „Wir hatten vor drei Jahren einen Flag-Football-Lehrgang und haben eine Grundausstattung an unsere Schule. Im Unterricht können wir Football aber nur am Rande und `just for fun` einfügen“ sagte der Lehrer.
Entsprechend des angekündigten Run-Kick-Pass-Events lernten die Schüler genau dies: rennen, schießen und passen. Für die meisten Schüler war American Football völliges Neuland, einige hatten sich aber auch schon mit dem Sport beschäftigt. „Wir haben an unserer Ulstertalschule einige Footbälle und die werden im Unterricht und in den Pausen auch genutzt“, sagt Lehrer Gerhard Funk. „Wichtig ist in meinen Augen, dass die Schüler Erfahrungen in anderen Bereichen machen.“
Und genau das passierte im Stadion. Denn alle haben Erfahrungen mit normalen Bällen. Wie man jedoch einen Football gekonnt durch die Luft wirft, mussten sich die Jungen und Mädchen erklären lassen. Und dafür hatte Football-Coach Dennis Faherty nicht nur Spieler seiner Fulda Colts aktiviert, sondern auch den Trainer der Hessenauswahl und ehemaligen Rhein-Fire-Spieler Sebastian Tuch sowie den ehemaligen Head-Coach der Wiesbaden Phantoms, Steffen Gerber. Außerdem waren Trainer der Marburg Mercenaries und Spieler aus der German Football League anwesend, um dem Projekt zum gelingen zu verhelfen.
„Wir Trainer unterstützen uns immer gegenseitig“, sagt Dennis Faherty, der mit dieser Veranstaltung den American Football bekannter machen will und hofft, einige Schüler für seinen Sport zu gewinnen. „Denn seit zwei Jahren haben wir nicht mehr das Spielerpotential wie früher, deshalb muss etwas passieren“ so Faherty, der es gerne sehen würde, wenn American Football in der Mittagsbetreuung der Ganztagsschulen angeboten wird.
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