Fußball
Mit dem Ball aus der Rhön an die Weser Von Joachim Herbert, 27.12.2006Fußball * Nachwuchs: Alexander Reith aus Fulda spielt in Werder Bremens U17
Alexander Reith aus Fulda lebt derzeit den Traum, den zehntausende Jungen in Deutschland träumen. Er spielt Fußball in der Nachwuchsmannschaft eines Bundesligisten und ist auf dem besten Wege, seine hochgesteckten Ziele zu realisieren. Als Spielführer der U17 von Werder Bremen hat er gute Chancen, den Fußball einmal zu seinem Beruf machen zu können.
Begonnen hat Alexander Reith in der Bambini-Mannschaft des FV Horas und wechselte von dort im zweiten D-Jugend-Jahr zu Borussia Fulda. Dort hielt es ihn zwei Jahre, ehe er mit 14 Jahren zu Werder Bremen ging. Das hört sich einfach an, aber wie kommt ein “Fulder Jung” nach Bremen?
Ausschlaggebend war das C-Jugend-Pokalspiel zwischen Flieden und Borussia Fulda, das die Borussen in Flieden mit 11:1 gewannen. Alexander spielte überragend, schoss sechs Tore und wurde dabei von Bremens damaligem Chefscout Ralf Schmidt beobachtet. Der war begeistert und sagte, er habe noch nie jemandem in diesem Alter so gut Fußball spielen sehen.
Erste Einladung nach Bremen
Die erste Einladung nach Bremen erfolgte zu einem Turnier, bei dem Alexander Reith als Gastspieler in der Werder-Mannschaft mitspielte. Auch hier spielte er überragend und wurde noch während des Turniers vom Hamburger SV angesprochen.
Für den damaligen Hessenauswahlspieler folgten ein Jahr lang immer wieder Einladungen zu Freundschaftsspielen der Werder-Jugend, in denen er als Gastspieler zum Einsatz kam. So lernte er nach und nach die anderen Werder-Spieler kennen, so dass der Wechsel nach Bremen keinen Sprung ins eiskalte Wasser bedeutete – sondern nur noch ins kalte.
Die Nachwuchskicker müssen 14 Jahre alt sein, vorher werden sie nicht verpflichtet. Und als es soweit war, ging der damals 14-Jährige nach Bremen. „Am Anfang war ich natürlich aufgeregt“ sagt Alexander Reith. „Ich wollte aber gerne zu Werder, habe mich gut mit den anderen Spielern verstanden und mich richtig auf die Aufgabe gefreut.“
In seinem zweiten C-Jugend-Jahr spielte Reith dann in der U15 von Werder Bremen und wurde mit dem Team gleich Regionalligameister. Das zweite Jahr in Bremen war etwas härter, denn als jüngerer Jahrgang in der U17 lief nicht immer alles nach Plan. Doch in der aktuellen, seiner dritten Saison bei Werder, läuft es für den 16-Jährigen hervorragend. Trainer Bernd Pfeifer ernannte ihn zum Spielführer, die Mannschaft steht in der B-Junioren Regionalliga Nord (höchste Spielklasse in Deutschland und eine von fünf Regionalligen) hinter dem HSV an zweiter Stelle und Reith hat in seinen zwölf Einsätzen bislang achtmal getroffen. Als offensiver Mittelfeldspieler agiert er zentral hinter den Spitzen und ist nach den beiden Stürmern drittbester Torschütze seiner Mannschaft.
U19 und Mirko Votava warten
Und was macht man als Nachwuchskicker den ganzen Tag in Bremen? „Morgens ist ganz normal Schule“ sagt Alexander Reith, der in einer Berufsschule in Bremen die höhere Handelsschule absolviert. In der Schule hat er auch seinen Kumpel Aaron Hunt kennen gelernt, der inzwischen in der Bundesliga für Werder auf Torejagd geht.
Nach der Schule wird gegessen und danach folgt die Hausaufgabenbetreuung im Wilhelm-Scharnow-Internat, in dem die hoffnungsvollen Jung-Werderaner wohnen. Direkt in der Ostkurve des Weser-Stadions, über der VIP-Lounge übrigens. Training ist wöchentlich viermal; am Nachmittag jeweils eineinhalb Stunden und zusätzlich zweimal vor der Schule. Einmal in der Woche trainiert Alexander Reith unter dem Ex-Profi Mirko Votava bei der U19, für die er in der nächsten Saison gegen den Ball treten wird.
Das ist schon geklärt, ist jedoch keine Selbstverständlichkeit. Denn jedes Jahr schauen die Werder-Verantwortlichen auf’s Neue: Ist aus dem Spieler noch etwas herauszuholen? Kann er sich noch wie gewünscht weiter entwickeln? Ist das der Fall, darf der Jugendliche bleiben. Ist es nicht der Fall, muss er gehen. Und genau das ist Alexander Reiths gutem Kumpel mitten in der Saison passiert. Er musste Werder verlassen und spielt jetzt in Jena.
Der Verein will natürlich nur die Besten behalten. Dafür bekommen die Jugendlichen als Vertragsspieler freie Kost und Logis im Internat. Auch schulische Dinge, die Ausrüstung und Heimfahrten werden vom Verein übernommen. Dazu gibt es ein Taschengeld – und natürlich die fußballerische Ausbildung.
Der Kontakt zu den aktuellen Bundesligaprofis beschränkt sich nur auf zufällige Treffen. „Ich habe die Profis mal beim Essen in der VIP-Lounge getroffen, ansonsten habe ich Schule, wenn die trainieren“ so der „Südländer“ im Team der Bremer. Denn Fulda ist der südlichste Ort, aus dem die Werderaner einen Spieler rekrutiert haben. Normalerweise kommen Reiths Mitspieler aus dem Norden und Nordosten unseres Landes. Und obwohl sich auch Eintracht Frankfurt, der VfB Stuttgart und Bayern München seine Dienste sichern wollten, ist er nach Bremen gegangen. „Werder hat sich einfach am meisten um ihn bemüht und gekümmert. Der Wechsel ist durchweg positiv verlaufen und es hat für Alexander keine Nachteile gebracht, dass er den Schritt gewagt hat“ sagt Alexanders Vater Thomas Reith, der heimischen Fußballfans kein Unbekannter sein dürfte. Reith trainiert derzeit die Fußballer des SV Großenlüder in der Bezirksliga Mitte.
Meisterschaft verspielt
Auch wenn im Moment alles gut läuft für Alexander Reith, so gab es doch auch schmerzhafte Erlebnisse. Das einschneidenste war das letzte Spiel der vergangenen Saison. „Bis dahin hatte ich gut gespielt, gegen den HSV, Kiel und Braunschweig entscheidende Treffer erzielt oder vorbereitet und musste in der entscheidenden Partie gegen Hannover zuschauen. Der Trainer hat mich draußen gelassen, ohne mir einen Grund zu nennen.“ so Reith. „Wir haben zur Pause schon 1:4 zurück gelegen, dann wurde ich eingewechselt und sollte das Spiel noch drehen, wir haben aber 2:6 verloren und damit die Meisterschaft verspielt.“
Obwohl Reith der körperlich kleinste Spieler im Team ist, ist er fußballerisch einer der größten. Als seine Stärken nennt er die Ballsicherheit und seine Spielübersicht, die er in Bremen verbessert hat. Den Torriecher und das beidfüssige Schießen hat er noch aus seinen Horaser und Fuldaer Tagen als Stürmer beibehalten.
Spielführer einerseits, erste Anspielstation andererseits, dazu auch noch Torschütze und Vorbereiter. Alexander Reith bringt die Voraussetzungen mit, einmal sein großes Ziel zu erreichen. „Mein Traum ist natürlich, Bundesligaprofi zu werden. In dieser Saison möchte ich Regionalligameister werden, denn die U17 von Werder hat das noch nie erreicht. Im nächsten Jahr will ich dann den direkten Sprung in die U19 schaffen.“
Und bei so einem erfolgreichen Spieler ist auch die Frage nach der Nationalmannschaft erlaubt. In der U15 gehörte Reith schon zum Kader des Nationalteams und wurde zu diversen Lehrgängen eingeladen. Seit der Heißsporn im Spiel mit einer Bremer Landesauswahl jedoch nach einer Schiedsrichterbeleidigung die Rote Karte sah, ist es vorbei mit den Einladungen. Am fußballerischen Vermögen dürfte es nicht liegen, doch muss sich Reith wohl noch etwas besser unter Kontrolle bekommen, dann klappt’s auch wieder mit den Einladungen und vielleicht auch mit einem Einsatz im Nationalteam.
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