Freitag, 21.11.2008 | 10:03
Deutsche Flagge Englische Flagge

Mischmasch

Hilfe aus Fulda für zwei thailändische Kinder Von Joachim Herbert, 11.03.2003

Finanzierung zweier Patenschaften / Reise zu mehreren Waisenhäusern

Als im vergangenen Jahr der zweite Asia-Kult-Event in der Fuldaer Richthalle stattfand, kam durch die Hilfe der Besucher, der Standbetreiber und des Organisators eine stattliche Summe zur Unterstützung thailändischer Straßenkinder zusammen. Dieses Geld sowie weitere Spenden in Form von Kleidung und Spielsachen hat der Veranstalter Stefan Jehn nun vor Ort in Thailand verschiedenen Waisenhäusern zukommen lassen und damit dafür gesorgt, dass die Spenden auch genau dort ankommen, wo sie benötigt werden.

Zusammen mit seiner thailändischen Frau und dem gemeinsamen Sohn nutzte er seinen dreiwöchigen privaten Urlaub und besuchte Organisationen in Bangkok, Pattaya und Pattani, um den dort lebenden Kindern zu helfen.
Und diese Hilfe haben die kleinsten und schwächsten Mitglieder der thailändischen Gesellschaft bitter nötig, denn viele von ihnen müssen ohne Eltern aufwachsen. Der Grund, warum die Kinder in den Waisenhäusern leben, ist nicht immer der Tod von Vater und Mutter.
Babys werden in Mülleimern oder auf der Straße gefunden und ins Heim gebracht, andere werden einfach von ihren Müttern im Krankenhaus zurück gelassen, weil die Eltern zu arm sind, um ihre Kinder zu ernähren. Wieder andere Mütter und Väter sitzen im Gefängnis oder die Kinder fliehen vor Mißhandlung durch die Eltern. Dann verbringen sie ihre Zeit auf der Straße und kommen – wenn sie Glück haben – in ein Waisenhaus.

Acht Koffer voller Sachspenden
Eines dieser Häuser ist das Pakkred Babies Home in Pakkred, einem Stadteil Bangkoks in der Nähe des Flughafens. In einer langgezogenen Straße liegen hier mehrere Gebäude nebeneinander, die Kinder in verschiedenen Altersgruppen beherbergen. Bis zu 18 Jahre sind die Jugendlichen alt, die hier betreut und versorgt werden.
Direkt nach der Landung in Asien ist das Haus mit den kleinsten Kindern für die Jehns die erste Station auf ihrer Hilfstour durch Thailand. Mit den privat gesammelten Spenden in acht Koffern voller Kleidung und Spielsachen sowie einem Teil des Geldes aus der Fuldaer Veranstaltung hilft der Dietershausener hier den Jüngsten.
Die Kinder in diesem staatlich unterstützen Waisenhaus sind zwischen wenigen Tagen und fünf Jahren alt. Einen Nachmittag verbringt Stefan Jehn hier, übergibt die mitgebrachten Geschenke aus Deutschland an die zuständige Heimleitung und fragt, was die 300 bis 400 Babys und Kleinkinder, die hier zuhause sind, am dringendsten benötigen. Medizin ist die Antwort und so kauft Jehn vor Ort für 300,- Euro die erforderlichen Arzneimittel.

Die Kinder, die lediglich mit T-Shirt, Windel und Badeschlappen bekleidet sind, regieren auf den fremdländischen Besuch mit gemischten Gefühlen. Während manche auf den Arm genommen werden wollen und froh über die Zuwendung sind, halten sich andere lieber fern und trauen dem neuen Gesicht nicht. Zu oft wurden sie schon von Erwachsenen enttäuscht.

Doch eines benötigen alle Kinder und das ist die Hilfe von liebevollen Menschen, die sich um sie kümmern. Neben der Unterstützung direkt vor Ort ist dies auch durch eine Patenschaft möglich. Die christliche Organisation World Vision ist diesbezüglich weltweit tätig und unterstützt derzeit etwa 80.000 Kinder allein in Thailand. Mit einem Vertreter dieser Vereinigung traf sich Stefan Jehn in Bangkok, um sich vor Ort über die Vermittlung von Patenschaften für thailändische Kinder zu informieren. Eine Spende von 100,- Euro pro Jahr genügt, um ein Kind zu unterstützen und ihm eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Und genau das setzte Stefan Jehn mit den Geldern des Asia-Kult-Events um.

Zwei Fuldaer Patenkinder
Denn die nächste Station auf der Reise durch Thailand ist das Pattaya Orphanage, ein Waisenhaus im etwa 150 Kilometer südlich von Bangkok gelegenen Seebad Pattaya. Diese Einrichtung steht unter der Schirmherrschaft eines thailändischen Bischofs und wird geleitet vom irischen Pfarrer Raymond A. Brennan, der sich vor Ort für die verlassenen Kinder von Pattaya einsetzt.
Zwei dieser Heimbewohner sind die Geschwister Veeraphong und Pha-Kwan Boonchan, für die Stefan Jehn durch die Unterstützung aller Beteiligten und Besucher des Asia-Kult-Events jeweils ein Patenschaft auf Lebenszeit eingerichtet hat. 2000,- Euro in bar sowie Sachspenden hat Jehn an Pfarrer Brennan übergeben und ihm gleichzeitig von den Aktivitäten in Fulda berichtet. Der über 60-Jährige zeigte sich davon nicht nur sehr beeindruckt, sondern versicherte auch, dass die beiden Kinder mit dem Spendengeld solange unterstützt werden können, bis sie auf eigenen Beinen stehen und nicht mehr auf die Hilfe des Pattaya Waisenhauses angewiesen sind.

Wie schwer es gerade der Nachwuchs von alleinerziehenden Müttern in Thailand hat, zeigt das Beispiel der beiden „Fuldaer“ Patenkinder. Ihre Eltern trennten sich, der Vater hat eine neue Frau, die jedoch die Verantwortung für die Kinder ablehnt. Die Mutter musste somit ihre Kinder alleine erziehen – in einem Land ohne soziales Netz ein schwieriges Unterfangen.
Denn geht sie arbeiten, kann sie sich nicht um ihre Kinder kümmern. Und wenn sie sich um ihre Kinder kümmert, kann sie kein Geld verdienen. Durch die Hilfe der Nachbarn gelang es Veeraphongs und Pha-Kwans Mutter, zumindest Essen und ein Dach über dem Kopf für sich und ihre Kinder zu bekommen. Trotzdem wurde es mit der Zeit immer schwieriger, ohne Arbeit und damit ohne Einkommen zu leben, so dass sie ihre Kinder den Pattaya Waisenhaus anvertraute.

40 Cent pro Mahlzeit
Dieses oder ein ähnliches Schicksal teilen die meisten der etwa 600 Kinder und Jugendlichen, die im Heim von Pfarrer Brennan ein neues Zuhause gefunden haben. Jüngster Bewohner ist ein sechs Tage altes Baby, das von seiner Mutter im Krankenhaus zurückgelassen wurde, die ältesten Schützlinge studieren bereits an der Universität.
Wie wichtig gerade Geldspenden sind, erläutert der Pfarrer am Beispiel des Essens, für das die meisten Ausgaben anfallen.
Eine Mahlzeit kostet pro Kind 40 Cent. Das sind acht US-Dollar pro Woche, 35 $ pro Monat und 420 $ pro Jahr. Zieht man in Betracht, dass 600 Kinder versorgt werden müssen, dann kommt man auf über 250.000 $, die pro Jahr alleine für das Essen ausgegeben werden müssen. Eine stattliche Summe.

Letzte Station dieser Reise war ein Waisenhaus in der Stadt Pattani im Süden Thailands, wo die Jehns ebenfalls mit Sachspenden und Lebensmitteln halfen. Hier unternahm Stefan Jehn einen Abstecher in die Slums von Pattani, um sich vor Ort einen Eindruck zu verschaffen, aus welchen Umständen die Kinder in den Waisenhäuser kommen. Ärmlichste Verhältnisse, das Wohnen auf Pfahlbauten über dem Wasser und Mücken überall waren die Eindrücke dieses Besuchs und machten noch einmal deutlich, wie groß die Not und wie erforderlich die Hilfe besonders für die Kinder dieser Familien ist.

Kommentar abgeben