Rock'n'Roll
Britpop im Rockgewand Von Joachim Herbert, 09.08.2002CD-Review: The Vines – Highly Evolved
Eigentlich kommen The Vines ja aus Australien, der Sound der vier Jungs ist jedoch stark britisch beeinflusst. Auf ihrem Debutalbum „Highly Evolved“ (EMI/Capitol Records) präsentieren sie zwölf Songs, die zwischen Beatles-Einflüssen („Homesick“), zeitgemäßem Britpop („Autumn Shade“) und Dreampop („Mary Jane“) pendeln. Alles gemischt mit einem ordentlichen Schuss Gitarrenrock und der sowohl kreischenden als auch soften Stimme von Sänger Craig Nicholls, einem 24-jährigen Musikbesessenen, der alle Songs auf „Highly Evolved“ geschrieben hat.
Angefangen vom knapp eineinhalbminütigen Titeltrack, der das Album wie ein Donnerschlag eröffnet, über die grantigen Rocksongs „Outtathaway“ und „In The Jungle“ bis hin zu „Ain´t No Room“, das den urbanen Sound der Stooges erkennen lässt. Die Bandbreite der Vines umfasst drei Dekaden Rock´n Roll, aus denen die vier Australier die schönsten Zutaten herausgesucht und ihr ganz eigenes Süppchen gekocht haben. Entstanden ist daraus ein musikalischer Trip mit charakteristischem Aroma, auf dem verschiedene Stilrichtungen in knapp 45 Minuten zusammengefasst werden.
Nicht nur die Singleauskopplung „Get free“ läßt wegen ihrer rohen und stark an den Punk erinnernden Art Vergleiche mit den Strokes oder den White Stripes aufkommen. Auch „Sunshinin“ zielt in diese Richtung und The Vines brauchen den Vergleich mit australischen Punkrocklegenden wie Radio Birdman und den Saints nicht zu scheuen.
Doch nicht nur im Studio, auch auf der Bühne haben die Jungs vom fünften Kontinent ihre Qualitäten. Schon nach den ersten Konzerttouren durch Großbritannien und die USA wurden die Musiker gefeiert. Frontmann Craig Nicholls vereint die Performancequalität eines Ryan Adams, die vokale Kraft eines Kurt Cobain und die ungezügelte Wildheit eines Iggy Pop in sich und stellt mit seiner Band laut britischer Fachpresse „die perfekte Synthese aus den Beatles und Nirvana“ dar. Wow!
Was kann nach so einem Debüt noch kommen? Die Freunde des Gitarrenrocks dürfen sicherlich gespannt sein, was die Band in Zukunft noch produzieren wird. Denn diese vier Australier haben gerade erst begonnen, die internationale Rockszene zu erobern.
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