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Kampfsport

Boxen mit Hand und Fuß Von Joachim Herbert, 08.04.2000

Muay Thai * Story: Traditionsreicher Kampfsport auf dem Vormarsch

Muay-Thai – ein exotischer Begriff, der dem gemeinen Sportanhänger wenig bis gar nichts sagt und der auf die Frage nach seiner Bedeutung sicherlich nur ein Schulterzucken hervorrufen wird. Hinter Muay-Thai verbirgt sich jedoch eine Sportart, die in den letzten Jahren immer mehr Anhänger gewonnen hat - das Thaiboxen.

Mit Hilfe dieses Selbstverteidigungssystems können sich Männer und Frauen gleichermaßen erfolgreich zur Wehr setzen. Das Thaiboxen beinhaltet Abwehr- und Kontertechniken gegen bewaffnete und unbewaffnete Angreifer, die leicht erlernbar sind. Wie bei jedem anderen Sport bedarf es jedoch auch hier einer gehörigen Portion Ehrgeiz und Training, bis man diese Techniken im Ernstfall effektiv einsetzten kann.

Entstanden ist Muay-Thai (bedeutet „freies Boxen“; Muay = Boxen, Thai = frei) im 13. Jahrhundert in Thailand, und zwar als ein Verteidigungssystem zum Schutz vor feindlich gesinnten Völkern. Vom damaligen thailändischen König wurde es in ein geordnetes System gebracht, nach dem seine Soldaten trainiert wurden. Erstmals in einem geschichtlichen Dokument erwähnt wurde Muay-Thai im 16. Jahrhundert, der Sport weist also eine lange Tradition auf und wird von der thailändischen Regierung dementsprechend gefördert. Das Land schützte Muay-Thai vor einigen Jahren sogar als nationales Kulturgut und unterstützt den Sport seit dieser Zeit sehr intensiv.

Einschlagen auf Palmenstämme
Das Muay-Thai früherer Jahrhunderte unterscheidet sich in der Art seiner Ausführung wesentlich von dem heutiger Zeiten - nicht jedoch in der Anwendung seiner Techniken. Während die Kämpfer damals zur Stärkung der Fäuste und Füße auf Palmenstämme einschlugen und es bei Kämpfen weder Gewichtsklassen noch eine Rundeneinteilung gab, hat sich diese alte Kampfkunst durch die Änderung der Regeln in einen attraktiven Kampfsport gewandelt.

Neben dem Bereich für Amateure und dem für Profis gibt es die Pro/Am Division, eine Mischung zwischen Amateur- und Profisport. Kämpfer, die sich im Amateurbereich bewährt haben und an einer Profilaufbahn interessiert sind, können sich hier anmelden und werden vielleicht von deutschen oder internationalen Veranstaltern für eine Profilaufbahn ausgesucht.

Doch was unterscheidet das Muay-Thai eigentlich vom Boxen? Die augenscheinlichsten Tatsachen sind, dass nicht nur die Hände zum Kämpfen eingesetzt werden dürfen. Neben den Fäusten stehen dem Thaiboxer seine Ellenbogen, Schienbeine, Knie, der Kopf und die Fußsohlen zur Verfügung, um wirksame Treffer zu erzielen.

Schutzausrüstung ist Pflicht
Im Amateurbereich agieren die Kämpfer jedoch mit einer kompletten Schutzausrüstung, damit es nicht zu Verletzungen kommt. Kopfschutz, Brustschutz, Mundschutz, Tiefschutz, Ellbogenschutz, Schienbeinschützer und Boxhandschuhe sorgen dafür, dass beide Kämpfer ihr Aufeinandertreffen möglichst schadlos überstehen. Dabei ist die Ausrüstung leicht, um die Bewegungsfreiheit der Akteure nicht zu beeinträchtigen. Bei den Profis geht es dagegen etwas härter zur Sache, hier trägt der Kämpfer nur Mundschutz, Tiefschutz und Boxhandschuhe. Eine solche Auseinandersetzung im Ring sieht für den Zuschauer zunächst natürlich brutal aus, läuft aber nach strengen Richtlinien ab.

Oft wurde das Muay-Thai als ein Sport ohne Regeln und nur für gewalttätige Schläger dargestellt. Um diesem Image entgegenzuwirken, wurde 1982 in Stuttgart der Muay-Thai Bund Deutschland e.V. (M.T.B.D.) gegründet. Dieser Verband wird als einziger in Deutschland von den zuständigen Stellen in Thailand anerkannt und ist die deutsche Vertretung der International Amateur Muay-Thai Federation (I.A.M.T.F.), die ihren Sitz in Thailands Hauptstadt Bangkok hat und der zur Zeit 72 Mitgliedsländer angehören.

Muay Thai boomt
Bundestrainer ist Detlef Türnau, der auch international einen hervorragenden Ruf genießt. Er bemüht sich um eine positive Darstellung des Sports in der Öffentlichkeit, auch wenn Muay-Thai in Deutschland zu den Randsportarten gehört. „In unserem Land betreiben etwa 6000 Menschen das originale Muay Thai, etwa 200 Clubs sind Mitglied im M.T.B.D.“, sagt Bundestrainer Türnau. „Sowohl in Deutschland, als auch in allen anderen europäischen Ländern boomt das Thaiboxen.“

Ein weiteres Indiz für die weltweite Anerkennung des Muay-Thai ist die Tatsache, dass es in Zukunft vielleicht olympisch sein könnte. Türnau: „Die Anträge diesbezüglich laufen bereits und im vergangenen Jahr war Muay-Thai erstmals Vorführsport bei den Asien-Spielen und den World Military Games. Bei beiden Veranstaltungen wurden die Präsentationen sehr positiv aufgenommen.“

Auch auf nationaler Ebene geht der Sport seinen Weg. In Nordrhein-Westfalen, dem Sitz des Bundesleistungszentrums, läuft das Aufnahmeverfahren in den Landessportbund. In Hessen ist man dagegen noch nicht soweit. Der Bundestrainer: „In Nordrhein-Westfalen benötigen wir 50 Clubs mit 2500 Mitgliedern, um aufgenommen zu werden. Die sind vorhanden. In Hessen haben wir diese Menge leider noch nicht.”

Muay Thai im Wing Chun Club Fulda
Nichtsdestotrotz - auch im heimischen Bereich gibt es einen erfolgreichen Muay-Thai-Kämpfer. Christian Koch aus Fulda ist Vierter der Deutschen Rangliste im Supermittelgewicht und amtierender Bayrischer Amateur Muay-Thai Meister in der Gewichtsklasse bis 75 Kilogramm. Für ihn und David Körper (Superleichtgewicht) stehen am 1. April 2000 in Ulm die Baden-Würtembergischen Landesmeisterschaften auf dem Programm, am 16. April geht es nach Herzogenrath zu den Landesmeisterschaften Nordrhein-Westfalens. Beide Turniere sind Qualifikationskämpfe zur Deutschen Meisterschaft. Trainiert werden Christian Koch und David Körper von Sifu Thomas Krack im Wing Chun Club Fulda.

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